Pera Museum: Der Schildkrötenerzieher
Why is it significant?
Steig hinauf in die Etage mit den orientalistischen Gemälden und such ein ganz bestimmtes Bild: Ein alter Mann in langem Gewand, eine kleine Trommel auf dem Rücken, eine Rohrflöte in der Hand, beugt sich über ein paar Schildkröten, die zu seinen Füßen am Boden kriechen. Er sieht geduldig aus.
Key Facts
| Place | Pera Museum: Der Schildkrötenerzieher |
|---|---|
| Address | Asmalı Mescit, Meşrutiyet Cd. No:65, 34430 Beyoğlu/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.03180, 28.97520 |
| Part of Walk | Galata und Pera: Verborgene Treppen, Derwische und deutsche Exilanten in Istanbul |
| Generated | Generated |
Steig hinauf in die Etage mit den orientalistischen Gemälden und such ein ganz bestimmtes Bild: Ein alter Mann in langem Gewand, eine kleine Trommel auf dem Rücken, eine Rohrflöte in der Hand, beugt sich über ein paar Schildkröten, die zu seinen Füßen am Boden kriechen. Er sieht geduldig aus. Sehr geduldig. Und ein bisschen ratlos.
Das ist Der Schildkrötenerzieher, türkisch Kaplumbağa Terbiyecisi, gemalt 1906 von Osman Hamdi Bey. Er war Maler, aber auch Archäologe und Museumsmann: Er baute das Archäologische Museum in Istanbul auf und grub in Sidon die berühmten Sarkophage aus, darunter den sogenannten Alexandersarkophag. Ein Mann, der die Moderne ins Osmanische Reich holen wollte und dabei gegen viel Trägheit ankämpfte.
Und jetzt schau dem alten Mann ins Gesicht. Es trägt die Züge des Malers selbst. Viele lesen das Bild als leise Satire: ein Reformer, der Schildkröten etwas beibringen will, mit Musik und Geduld, und die Tiere fressen einfach weiter ihre Blätter. Ob es so gemeint war, hat Osman Hamdi nie verraten. Aber jeder, der schon einmal versucht hat, eine Behörde zu verändern, versteht den Witz.
Das Museum selbst steckt in einem Gebäude, das 1893 als Hotel Bristol eröffnet wurde, ein Nachbar und Konkurrent des Pera Palace. 2005 machte die Stiftung der Familie Kıraç daraus das Pera Museum. Viele der Gemälde stammen von europäischen Malern, die im 18. und 19. Jahrhundert mit Gesandtschaften an den Bosporus kamen und Audienzen, Hafenansichten und Straßenszenen festhielten. Neben den Gemälden zeigt es eine Sammlung anatolischer Gewichte und Maße aus mehreren Jahrtausenden und Fliesen und Keramik aus Kütahya.
Als die Stiftung das Bild 2004 erwarb, war es das teuerste Gemälde, das bis dahin in der Türkei verkauft worden war. Seitdem pilgern Schulklassen zu dem alten Mann mit den Schildkröten. Verlass das Museum und geh die kurze Gasse hinüber zur İstiklal Caddesi. Hinter einem Torbogen an der Straße öffnet sich ein Hof mit einer roten Backsteinkirche.