Karaköy und die untere Tünel-Station
Why is it significant?
Bleib an der lauten Kreuzung stehen, zwischen Fähranleger, Straßenbahn und Simit-Wagen, und such das kleine Bahnhofsgebäude der Tünel-Bahn. Es sieht aus wie eine Station für eine Spielzeugeisenbahn.
Key Facts
| Place | Karaköy und die untere Tünel-Station |
|---|---|
| Address | Karaköy, Tersane Cd., 34420 Beyoğlu/İstanbul, Türkiye |
| Geo Coordinates | 41.02290, 28.97400 |
| Part of Walk | Galata und Pera: Verborgene Treppen, Derwische und deutsche Exilanten in Istanbul |
| Generated | Generated |
Bleib an der lauten Kreuzung stehen, zwischen Fähranleger, Straßenbahn und Simit-Wagen, und such das kleine Bahnhofsgebäude der Tünel-Bahn. Es sieht aus wie eine Station für eine Spielzeugeisenbahn. Dahinter verschwindet ein Tunnel im Berg, und durch ihn fährt eine der ältesten unterirdischen Bahnen der Welt.
Karaköy war jahrhundertelang der Hafen von Galata, einer Stadt, die eigentlich gar nicht zu Konstantinopel gehörte. Ab dem späten 13. Jahrhundert hatten genuesische Kaufleute hier ihre eigene Kolonie, mit Mauern, eigenem Statthalter und eigenen Kirchen. Nach 1453 blieben Griechen, Armenier, Juden und Europäer, und Galata wurde der Ort, an dem Istanbul Geschäfte machte. Woher der Name Karaköy kommt, ist umstritten, eine Theorie verweist auf die Karäer, eine jüdische Gemeinschaft. Heute ist das Viertel wieder in Mode: In alten Handelshäusern sitzen Galerien, Cafés und junge Designer, gleich neben Schiffsausrüstern und Eisenwarenhändlern.
Das Problem von Galata war der Hang. Zwischen dem Hafen und dem Viertel Pera oben liegen etwa sechzig Höhenmeter, und jeden Tag schleppten sich Tausende den steilen Weg hinauf. Der französische Ingenieur Eugène-Henri Gavand sah das und schlug eine Standseilbahn im Tunnel vor. 1875 ging sie in Betrieb, nur zwölf Jahre nach der ersten Londoner U-Bahn. Damit gilt der Tünel als zweitälteste unterirdische Bahn der Welt, und er ist nur 573 Meter lang.
Anfangs, so wird erzählt, trauten die Istanbuler dem dunklen Loch nicht, und man habe zuerst Tiere und Waren befördert, bis die Menschen Mut fassten. Ob das stimmt, weiß niemand genau. Sicher ist nur: Bis heute pendeln zwei Wagen auf und ab, und die Fahrt dauert kaum länger als ein Lied im Radio.
Wir nehmen trotzdem den Fußweg, denn unterwegs gibt es zu viel zu sehen. Geh nicht geradeaus bergauf, sondern zuerst nach links, nach Westen in die Gassen hinein, parallel zum Ufer, vorbei an Eisenwarenläden und Werkstätten. Dort zeigt sich bald ein gotischer Glockenturm, der heute ein Minarett ist.