Kamondo-Treppe und Bankalar Caddesi

Why is it significant?

Stell dich unten an die Treppe und folge mit den Augen den Stufen: Sie schwingen sich in zwei Bögen nach oben, mit kleinen Absätzen dazwischen, fast wie eine Tanzfigur aus Stein. Fotografen posieren auf den Absätzen. Kaum einer fragt, wer diese Treppe bauen ließ und warum.

Key Facts

PlaceKamondo-Treppe und Bankalar Caddesi
AddressArap Cami, Bankalar Cd., 34420 Beyoğlu/İstanbul, Türkiye
Geo Coordinates41.02400, 28.97380
Part of WalkGalata und Pera: Verborgene Treppen, Derwische und deutsche Exilanten in Istanbul
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Stell dich unten an die Treppe und folge mit den Augen den Stufen: Sie schwingen sich in zwei Bögen nach oben, mit kleinen Absätzen dazwischen, fast wie eine Tanzfigur aus Stein. Fotografen posieren auf den Absätzen. Kaum einer fragt, wer diese Treppe bauen ließ und warum.

Die Treppe trägt den Namen der Familie Camondo, sephardischer Juden, deren Vorfahren nach der Vertreibung aus Spanien über Venedig nach Istanbul gekommen waren. Abraham Salomon Camondo war im 19. Jahrhundert einer der mächtigsten Bankiers des Osmanischen Reiches, er lieh dem Staat Geld und förderte Schulen. Um 1870, so die übliche Datierung, ließ er diese Treppe anlegen, als Abkürzung zwischen der Bankenstraße unten und den Wohngassen von Galata oben.

Gern erzählt man, er habe sie bauen lassen, damit seine Enkel es leichter zur Schule hätten. Andere sagen, er wollte selbst bequemer von seinem Haus zur Bank. Beweisen lässt sich beides nicht. Sicher ist, dass die Familie bald darauf nach Paris zog. Abraham Salomon starb 1873 dort, wollte aber in Istanbul begraben werden, auf dem jüdischen Friedhof von Hasköy am Goldenen Horn. Ein Nachfahre, Moïse de Camondo, sammelte in Paris französische Kunst und baute sich ein prachtvolles Stadtpalais.

Die Geschichte endet tragisch. Moïses Sohn Nissim fiel 1917 als Flieger im Ersten Weltkrieg, und der Vater vermachte Haus und Sammlung dem französischen Staat, als Museum im Namen des Sohnes. Seine Tochter Béatrice wurde im Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern deportiert und in Auschwitz ermordet. Mit ihnen erlosch die Familie, deren Name hier in Galata auf einer Treppe weiterlebt.

Bevor du hinaufsteigst, wirf noch einen Blick auf die Bankalar Caddesi: Die schweren Steinfassaden waren das Finanzzentrum des Reiches, darunter der Sitz der Osmanischen Bank, der heute ein Kulturzentrum beherbergt. Dann nimm die Treppe, Stufe um Stufe, und folge oben den Gassen weiter bergauf. Der runde Turm ist schon über den Dächern zu sehen.

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