Eigelsteintorburg und Nordtor
Why is it significant?
Blicken Sie ehrfürchtig hinauf zu diesem massiven steinernen Koloss, der seit über siebenhundert Jahren den nördlichen Zugang nach Köln unerschütterlich bewacht.
Key Facts
| Place | Eigelsteintorburg und Nordtor |
|---|---|
| Address | Eigelstein 115, 50668 Köln, Deutschland |
| Geo Coordinates | 50.95260, 6.95760 |
| Part of Walk | Altstadt, Kölner Dom, Rathaus und Rheinufer: Zweitausend Jahre zwischen Gotik, Römern und Kölsch |
| Generated | Generated |
Blicken Sie ehrfürchtig hinauf zu diesem massiven steinernen Koloss, der seit über siebenhundert Jahren den nördlichen Zugang nach Köln unerschütterlich bewacht. Die Eigelsteintorburg gehörte zu den wehrhaftesten von insgesamt zwölf monumentalen Torburgen der gewaltigen mittelalterlichen Kölner Stadtmauer, die im dreizehnten Jahrhundert sogar die berühmten Wehranlagen von Paris an Umfang und Pracht übertraf. Wenn Sie heute durch den hohen spitzbogigen Tordurchgang treten, spüren Sie augenblicklich das erhabene Gewicht jahrhundertelanger rheinischer Geschichte auf den grob behauenen Tuff- und Basaltsteinen ruhen.
Betrachten Sie die kunstvoll gemauerten Wehrerker, die zinnenbekrönten Plattformen und das historische Relief über dem Hauptbogen, an dem früher ein echtes hölzertes Rettungsboot des kaiserlichen Kreuzers Cöln aufgehängt war. Die städtischen Torwächter kontrollierten an diesem Nadelöhr Tag und Nacht alle Händler, Handwerker, Pilger und Durchreisenden, die über die alte Heerstraße aus dem Norden in die freie Reichsstadt strebten. Jeder einzelne Pferdewagen musste anhalten, die Achsen wurden akribisch vermessen und der strenge Torsprecher kassierte das städtische Pflastergeld zur Instandhaltung der holprigen Straßen.
Ein besonders düsteres Geheimnis birgt das oberste Stockwerk über dem gotischen Torbogen, wo einst verurteilte Verbrecher, Ketzer und widerspenstige Schmuggler in feuchten, lichtlosen Kerkern auf ihr bitteres Urteil warteten. Die Festungsmauern sind an dieser Stelle über zwei Meter dick, sodass selbst lauteste Verzweiflungsschreie der Gefangenen kaum bis zum geschäftigen Markttreiben auf dem Vorplatz vordrangen. Wer hier einmal in Eisen gelegt einsaß, konnte einzig auf die Gnade des Kölner Rates oder die kostspielige Fürsprache wohlhabender Zunftmeister hoffen.
Als im späten neunzehnten Jahrhundert fast die gesamte mittelalterliche Stadtumwallung planmäßig abgerissen wurde, um Raum für die prachtvollen Kölner Ringboulevards zu schaffen, entging die Eigelsteintorburg nur durch beherzte Bürgerproteste der Spitzhacke. Geschichtsbewusste Architekten und engagierte Kölner Bürger setzten sich leidenschaftlich für den Erhalt des stolzen Baudenkmals ein, das heute als lebendiges Kulturzentrum für Ausstellungen und Jazzkonzerte mitten im Kölner Veedelsleben pulsiert.
Schlendern Sie nun mit wachen Sinnen vom geschichtsträchtigen Torbogen südwärts in die geschäftige Weidengasse hinein, wo die bunte Atmosphäre des Eigelsteins mit ihren anatolischen Gewürzen, traditionellen Bäckereien und urigen Ladenzeilen auf Sie wartet.