Savignyplatz: West-Berlins Wohnzimmer unter der Stadtbahn
Why is it significant?
Hier wird es auf einmal ruhig: ein grüner Platz mit Hecken, Rosenbeeten und Bänken, rundherum hohe Altbauten, und im Hintergrund die gemauerten Bögen der Stadtbahn, über die alle paar Minuten ein Zug rumpelt.
Key Facts
| Place | Savignyplatz: West-Berlins Wohnzimmer unter der Stadtbahn |
|---|---|
| Address | Savignyplatz, 10623 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.50520, 13.31910 |
| Part of Walk | Ku'damm und City West: Berlins Schaufenster zwischen Ruine und Glas |
| Generated | Generated |
Hier wird es auf einmal ruhig: ein grüner Platz mit Hecken, Rosenbeeten und Bänken, rundherum hohe Altbauten, und im Hintergrund die gemauerten Bögen der Stadtbahn, über die alle paar Minuten ein Zug rumpelt. Willkommen am Savignyplatz, dem vielleicht gemütlichsten Ende, das ein Spaziergang durch die City West haben kann.
Der Platz ist nach Friedrich Carl von Savigny benannt, einem der berühmtesten Juristen des 19. Jahrhunderts, der an der Berliner Universität lehrte. Angelegt wurde er um 1900, als Charlottenburg gerade zu einer der reichsten Städte Preußens wurde, damals noch selbstständig, erst 1920 kam es zu Berlin. In den Zwanzigern gestaltete der Gartenarchitekt Erwin Barth ihn neu, als Schmuckplatz, auf dem man flanieren und sitzen sollte.
Die Bögen der Stadtbahn sind das eigentliche Geheimnis dieser Gegend. Jeder Bogen ist ein Raum, und in diesen Räumen haben sich Buchhandlungen, Werkstätten, Kneipen und Galerien eingerichtet. Wo anderswo eine Bahntrasse eine Stadt zerschneidet, hat Berlin sie einfach bewohnt. Manche Bögen haben große Fenster bekommen, durch die du in Läden voller Kunstbücher oder alter Schallplatten schaust, während über dir ein Fernzug vorbeidonnert.
In den Siebzigern und Achtzigern war der Savignyplatz das Wohnzimmer des intellektuellen West-Berlin. Hier saßen Schriftsteller, Filmleute, Studenten und Lebenskünstler bis spät in die Nacht in den Kneipen rund um den Platz und redeten über Politik, Kunst und die Frage, ob man in dieser Inselstadt eigentlich gerade das Zentrum der Welt war oder ihr Rand. Ehrlich gesagt... beides.
Damit endet dein Spaziergang. Du bist am Wittenbergplatz gestartet, beim Kaufhaus, das einen Flugzeugabsturz überlebte, vorbei am Elefantentor, am Wasserklops und am goldenen Riss auf dem Breitscheidplatz. Du hast den hohlen Zahn gesehen, das Kino der Berlinale, den Bahnhof der Christiane F., das Amerika Haus, das Gürteltier, das Portal der zerstörten Synagoge und Bismarcks Boulevard. Der Westen der Stadt ist weniger laut als Mitte, aber er erzählt seine Geschichte in Schichten, Ruine neben Glas. Such dir eine Bank, hör der Stadtbahn zu und bleib noch ein bisschen.