Jüdisches Gemeindehaus Fasanenstraße: Das Portal der zerstörten Synagoge

Why is it significant?

Vor dir steht ein Nachkriegsbau aus hellem Stein, schlicht, fast unscheinbar, mit Sicherheitsglas und Polizei vor dem Eingang. Aber schau genauer hin: In die moderne Fassade sind ein steinerner Portalbogen und Säulenreste eingesetzt, alt, verwittert, wie aus einer anderen Welt.

Key Facts

PlaceJüdisches Gemeindehaus Fasanenstraße: Das Portal der zerstörten Synagoge
AddressFasanenstraße 79-80, 10623 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.50430, 13.32820
Part of WalkKu'damm und City West: Berlins Schaufenster zwischen Ruine und Glas
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Vor dir steht ein Nachkriegsbau aus hellem Stein, schlicht, fast unscheinbar, mit Sicherheitsglas und Polizei vor dem Eingang. Aber schau genauer hin: In die moderne Fassade sind ein steinerner Portalbogen und Säulenreste eingesetzt, alt, verwittert, wie aus einer anderen Welt.

Diese Steine stammen von der Synagoge Fasanenstraße, die hier 1912 eingeweiht wurde, ein großer Kuppelbau nach Plänen von Ehrenfried Hessel. Mit ihren Kuppeln war sie weithin sichtbar, mitten in einer bürgerlichen Wohnstraße, ein Zeichen dafür, wie selbstverständlich jüdisches Leben damals zum Westen Berlins gehörte. Sie war eine der prächtigsten Synagogen Berlins, das Gotteshaus des liberalen, gutbürgerlichen jüdischen Westens. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 setzten Nationalsozialisten sie in Brand. Die Feuerwehr schützte die Nachbarhäuser, nicht die Synagoge. Im Krieg wurde die Ruine weiter zerstört, in den Fünfzigern dann abgetragen.

1959 wurde an ihrer Stelle dieses Jüdische Gemeindehaus eröffnet, mit Sälen, Büros und Schulräumen für die kleine Gemeinde, die die Schoah überlebt hatte oder zurückgekehrt war. Die Architekten bauten die geretteten Teile des alten Portals bewusst in die Fassade ein, als sichtbare Narbe. Im Hof erinnert eine Mauer an die Ermordeten. Lange war dieses Haus der Mittelpunkt jüdischen Lebens in West-Berlin, mit dem Gemeindevorsitzenden Heinz Galinski, der selbst Auschwitz überlebt hatte. Galinski kämpfte jahrzehntelang dafür, dass Deutschland sich erinnert, unbequem, laut und unermüdlich.

Wie gefährdet dieser Neuanfang war, zeigte sich am 9. November 1969, genau einunddreißig Jahre nach dem Pogrom. Linksradikale legten während einer Gedenkveranstaltung eine Bombe in das Haus. Sie explodierte nicht, weil der Zünder versagte. Hunderte Menschen saßen an diesem Tag im Saal. Der Anschlag zeigte, dass Judenhass auch in der Bundesrepublik nicht verschwunden war, und dass er sich nicht nur bei Rechten fand.

Heute ist das Gemeindehaus wieder ein lebendiger Ort mit Veranstaltungen und Begegnungen, und die Polizei davor gehört leider bis heute zum Bild. Ein paar Schritte weiter südlich kreuzt die Fasanenstraße den Kurfürstendamm. Bieg dort rechts ab und lauf den Boulevard ein paar Minuten nach Westen, bis zur Ecke Knesebeckstraße.

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