Kurfürstendamm: Bismarcks Boulevard
Why is it significant?
Du stehst mitten auf dem Ku'damm: breite Bürgersteige, Platanen, Mittelstreifen, hohe Gründerzeithäuser mit Erkern, Glasvitrinen am Straßenrand und Schaufenster, so weit du gucken kannst. Das hier ist der Boulevard, auf den West-Berlin vierzig Jahre lang stolz war.
Key Facts
| Place | Kurfürstendamm: Bismarcks Boulevard |
|---|---|
| Address | Kurfürstendamm / Knesebeckstraße, 10623 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.50220, 13.32180 |
| Part of Walk | Ku'damm und City West: Berlins Schaufenster zwischen Ruine und Glas |
| Generated | Generated |
Du stehst mitten auf dem Ku'damm: breite Bürgersteige, Platanen, Mittelstreifen, hohe Gründerzeithäuser mit Erkern, Glasvitrinen am Straßenrand und Schaufenster, so weit du gucken kannst. Das hier ist der Boulevard, auf den West-Berlin vierzig Jahre lang stolz war.
Angefangen hat er als Knüppeldamm, als ein Reitweg, auf dem die brandenburgischen Kurfürsten zur Jagd in den Grunewald ritten, daher der Name. Dann kam Otto von Bismarck. Er wollte, dass Berlin einen Boulevard bekommt wie Paris seine Champs-Élysées, und setzte durch, dass die Straße rund fünfzig Meter breit ausgebaut wurde. Ab den 1880er-Jahren entstanden hier prächtige Mietshäuser mit riesigen Wohnungen, zehn Zimmer waren keine Seltenheit.
In den Zwanzigern wurde der Ku'damm zum Laufsteg der Stadt: Kinos, Theater, Cafés, Kabaretts, Tanzlokale. Hier saßen Schriftsteller, Schauspielerinnen, Journalisten, und die Nacht wurde lang. Im Café des Westens, das alle nur Café Größenwahn nannten, stritten Expressionisten schon vor dem Ersten Weltkrieg bis in den Morgen. Viele der Menschen, die dieses Leben prägten, waren jüdisch, und nach 1933 wurden sie vertrieben, enteignet, ermordet. Ein Teil des Glanzes ist nie zurückgekommen.
Nach dem Krieg und dem Bau der Mauer wurde der Ku'damm das Schaufenster des Westens, ganz bewusst. Hier demonstrierten Studenten in den Sechzigern, hier wurde 1968 Rudi Dutschke vor dem Büro des SDS niedergeschossen, ein Stück weiter westlich. Im November 1989 schoben sich dann Zehntausende Ost-Berliner über die Bürgersteige, mit hundert D-Mark Begrüßungsgeld in der Tasche, und staunten. Viele sahen diesen Boulevard an jenem Wochenende zum ersten Mal in ihrem Leben. Und schon im Juli 1989 tanzten hier rund hundertfünfzig Leute hinter einem Lautsprecherwagen: die allererste Love Parade.
Wenn du ein Stück zurück in die Fasanenstraße südlich des Ku'damms schaust, findest du dort eine Villa von 1889 mit Garten, heute das Literaturhaus. Nebenan zeigte bis 2022 ein Museum die Werke von Käthe Kollwitz, der Frau vom Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg. Biege jetzt rechts in die Knesebeckstraße ein und lauf nach Norden, bis zu einem runden Platz unter den Bögen der S-Bahn.