Ludwig-Erhard-Haus: Das Gürteltier an der Fasanenstraße

Why is it significant?

Schau dir dieses Gebäude an: Riesige, gebogene Stahlrippen spannen sich über das Haus, als hätte jemand ein Skelett von außen angelegt. Dazwischen Glas, schräg und gewölbt. Die Berliner haben nicht lange gebraucht und es Gürteltier getauft.

Key Facts

PlaceLudwig-Erhard-Haus: Das Gürteltier an der Fasanenstraße
AddressFasanenstraße 85, 10623 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.50690, 13.32850
Part of WalkKu'damm und City West: Berlins Schaufenster zwischen Ruine und Glas
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Schau dir dieses Gebäude an: Riesige, gebogene Stahlrippen spannen sich über das Haus, als hätte jemand ein Skelett von außen angelegt. Dazwischen Glas, schräg und gewölbt. Die Berliner haben nicht lange gebraucht und es Gürteltier getauft.

Das ist das Ludwig-Erhard-Haus, benannt nach dem Wirtschaftsminister der jungen Bundesrepublik, der als Vater des Wirtschaftswunders gilt, ein rundlicher Mann mit dicker Zigarre, das Gesicht des Wohlstands. Gebaut wurde es in den 1990er-Jahren nach Plänen des britischen Architekten Nicholas Grimshaw, fertig 1998. Hier sitzen die Industrie- und Handelskammer und die Berliner Börse, also lauter Leute, die rechnen können... und die haben sich trotzdem dieses verrückte Tier gegönnt.

Der Trick dieses Hauses ist, dass die Geschosse an den Bögen hängen, statt auf Stützen zu stehen. Dadurch braucht es innen kaum Säulen, und das war nötig, weil das Grundstück schwierig ist: eng, unregelmäßig und direkt neben dem Viadukt der Stadtbahn. Grimshaw kommt aus der britischen High-Tech-Architektur, die ihre Konstruktion nicht versteckt, sondern zeigt. Hier ist die Statik selbst das Ornament. Schau durch die Glasfront hinein: Das Innere ist erstaunlich hell, die Räume zwischen den Bögen sind frei, fast wie in einer Halle.

Direkt nebenan, an der Kantstraße, steht übrigens das genaue Gegenteil: das Theater des Westens von 1896, ein Prachtbau mit Türmchen und Stuck, in dem heute Musicals laufen. Zwischen den beiden liegen hundert Jahre und eine völlig andere Vorstellung davon, was ein schönes Gebäude ist. Und unter dir rattern die Züge der Stadtbahn über ihre gemauerten Bögen, die es schon gab, bevor hier irgendetwas anderes stand.

Nach der Wende war die City West kurz in Sorge, gegen das neue alte Zentrum in Mitte zu verlieren. Das Ludwig-Erhard-Haus war eine Antwort darauf: Seht her, auch im Westen wird noch mutig gebaut. Folge jetzt der Fasanenstraße nach Süden, über die Kantstraße hinweg, bis du kurz vor dem Kurfürstendamm links ein Gebäude mit einem alten, zerbrochenen Portal siehst.

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