Neue Synagoge: Die goldene Kuppel und Reviervorsteher Krützfeld

Why is it significant?

Leg den Kopf in den Nacken: Über der Oranienburger Straße leuchtet eine goldene, gerippte Kuppel, flankiert von zwei kleineren Türmen. Die Fassade aus farbigen Ziegeln und Terrakotta wirkt wie aus Tausendundeiner Nacht... und genau so sollte sie auch wirken.

Key Facts

PlaceNeue Synagoge: Die goldene Kuppel und Reviervorsteher Krützfeld
AddressOranienburger Straße 28-30, 10117 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.52500, 13.39430
Part of WalkScheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel
GeneratedGenerated

Open the walk

Leg den Kopf in den Nacken: Über der Oranienburger Straße leuchtet eine goldene, gerippte Kuppel, flankiert von zwei kleineren Türmen. Die Fassade aus farbigen Ziegeln und Terrakotta wirkt wie aus Tausendundeiner Nacht... und genau so sollte sie auch wirken.

Die Neue Synagoge wurde 1866 eingeweiht, nach Plänen von Eduard Knoblauch, weitergeführt von Friedrich August Stüler. Zur Einweihung kam Ministerpräsident Otto von Bismarck. Die Kuppel ist rund fünfzig Meter hoch und war schon damals weithin über den Dächern zu sehen. Mit rund dreitausend Plätzen war sie die größte Synagoge Deutschlands, und der maurische Stil war ein Statement: Die Gemeinde zeigte selbstbewusst, dass sie dazugehörte. Sie war liberal, hier spielte sogar eine Orgel, was fromme Juden empörte. Und im Januar 1930 stand vorne ein Mann mit Geige bei einem Wohltätigkeitskonzert: Albert Einstein.

In der Pogromnacht im November 1938 drangen SA-Männer ein und legten Feuer. Da tauchte Wilhelm Krützfeld auf, der Vorsteher des Polizeireviers am Hackeschen Markt. Er schickte die Brandstifter weg, berief sich darauf, dass das Gebäude unter Denkmalschutz stehe, und ließ die Feuerwehr löschen. Ein Polizist, der mitten im Pogrom auf Vorschriften pochte. Manche Einzelheiten jener Nacht sind umstritten, im Kern ist die Geschichte belegt. Krützfeld wurde dafür zum Polizeipräsidenten zitiert und gerügt, aber nicht entlassen.

Retten konnte er das Haus trotzdem nicht. Bis 1940 feierte die Gemeinde hier noch Gottesdienste, dann beschlagnahmte die Wehrmacht den Bau, und 1943 trafen ihn Bomben. Den zerstörten Hauptsaal sprengte man 1958. Noch in den letzten Jahren der DDR begann der Wiederaufbau der Front, vollendet wurde er im vereinten Berlin. Was du siehst, ist die wiederaufgebaute Vorderfront mit der Kuppel, seit 1995 das Centrum Judaicum. Dahinter liegt eine leere Fläche, wo einst dreitausend Menschen beteten.

Heute stehen Polizeiwagen vor der Tür, und auch das sagt etwas über Berlin. Geh ein paar Schritte zurück zur Tucholskystraße und folge ihr hinauf bis zur Auguststraße. Dort wartet ein dunkler Klinkerbau aus den späten Zwanzigern, gebaut für Mädchen.

Nearby stories