Clärchens Ballhaus: Getanzt wird seit 1913
Why is it significant?
Hinter einem Vorgarten mit Bäumen und langen Holzbänken steht ein Haus, dessen Fassade aussieht, als hätte man es mit Absicht nicht renoviert. Wenn die Türen offen sind, hörst du Walzer, Swing oder Tango. Willkommen bei Clärchen.
Key Facts
| Place | Clärchens Ballhaus: Getanzt wird seit 1913 |
|---|---|
| Address | Auguststraße 24, 10117 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.52660, 13.39690 |
| Part of Walk | Scheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel |
| Generated | Generated |
Hinter einem Vorgarten mit Bäumen und langen Holzbänken steht ein Haus, dessen Fassade aussieht, als hätte man es mit Absicht nicht renoviert. Wenn die Türen offen sind, hörst du Walzer, Swing oder Tango. Willkommen bei Clärchen.
1913 eröffneten Fritz Bühler und Clara Habermann hier ein Tanzlokal, und bald nannte ganz Berlin es nur noch nach ihr: Clärchens Ballhaus. Man tanzte Walzer, Foxtrott und Schieber, und es kamen alle: Dienstmädchen und Handwerker, Verkäuferinnen, Soldaten auf Heimaturlaub, Witwen, die nicht allein sein wollten. Ein Ballhaus war im alten Berlin der Ort, an dem sich Menschen kennenlernten, die sich sonst nie begegnet wären. Wer nicht tanzte, saß am Rand, trank Bier oder Brause und schaute zu, wer mit wem.
Das Erstaunliche ist, was alles an diesem Haus vorbeigegangen ist. Zwei Weltkriege, Inflation, Nazizeit, DDR, Wende. Das Vorderhaus wurde im Krieg zerstört, deshalb sitzt man heute im Garten direkt an der Straße. Oben aber, im Spiegelsaal, hängen noch die alten Spiegel, fleckig und blind geworden, und unter dem Stuck kann man sich vorstellen, wie hier vor hundert Jahren Kronleuchter funkelten.
Über Jahrzehnte blieb das Ballhaus in der Hand von Clärchens Familie, auch zu DDR-Zeiten, als private Betriebe in Ost-Berlin selten waren. Später wurde es zum Lieblingsort einer neuen Generation, die zwischen Galerienbesuch und Nachtclub auf einen Schwof vorbeikam, neben Paaren, die hier seit fünfzig Jahren tanzten. Kaum ein Ort in Berlin bringt Jung und Alt so selbstverständlich zusammen.
Dass wir auf diesem Weg zwischen Gedenkorten an einem Tanzsaal stehen, ist kein Bruch. Das jüdische Scheunenviertel war nie nur ein Ort des Leids, sondern ein Viertel, in dem gelebt, gestritten und gefeiert wurde, Wand an Wand. Jüdische Familien führten in diesen Straßen Läden, Werkstätten und Arztpraxen, sie waren Kunden, Nachbarn und Tanzpartner. Genau das ist es, was verloren ging. Geh jetzt die Auguststraße bis zur Großen Hamburger Straße und dann nach links zum Koppenplatz. Dort wartet ein Tisch auf dich.