Ehemalige Jüdische Mädchenschule und die Stolpersteine

Why is it significant?

Vor dir an der Auguststraße steht ein dunkler Klinkerbau mit klaren Linien, großen Fenstern und einem fast strengen Eingang. Kein Schnörkel, kein Türmchen. So baute man Ende der Zwanzigerjahre, wenn man an die Zukunft glaubte.

Key Facts

PlaceEhemalige Jüdische Mädchenschule und die Stolpersteine
AddressAuguststraße 11-13, 10117 Berlin, Germany
Geo Coordinates52.52630, 13.39430
Part of WalkScheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel
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Vor dir an der Auguststraße steht ein dunkler Klinkerbau mit klaren Linien, großen Fenstern und einem fast strengen Eingang. Kein Schnörkel, kein Türmchen. So baute man Ende der Zwanzigerjahre, wenn man an die Zukunft glaubte.

Das ist die ehemalige Jüdische Mädchenschule, 1927 und 1928 errichtet vom Gemeindebaumeister Alexander Beer. 1942 wurde die Schule geschlossen. Schülerinnen und Lehrerinnen, die nicht mehr fliehen konnten, wurden deportiert, und Alexander Beer selbst kam in Theresienstadt ums Leben. Nach dem Krieg war hier eine Schule der DDR, nach der Wende stand das Haus leer. 2009 bekam die Jüdische Gemeinde es zurück, seit 2012 sind Galerien und Restaurants eingezogen.

Die ganze Auguststraße ist ein Ort der Verwandlungen. In den Neunzigern zogen Künstler in leerstehende Häuser, und die Straße wurde zur Galerienmeile des neuen Berlin, mit Ausstellungen in Kellern und Partys in Ruinen. Heute sind die Fassaden saniert und die Mieten hoch. Gleich nebenan stand übrigens bis 1914 das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde, bevor es in einen großen Neubau im Wedding umzog. Aber ein Blick nach unten genügt, um eine ältere Schicht dieser Straße zu sehen.

Schau auf die Gehwege dieses Viertels. Zwischen den Pflastersteinen glänzen kleine Messingplatten, zehn mal zehn Zentimeter, und auf jeder steht ein Mensch: Hier wohnte, Name, Jahrgang, deportiert, ermordet. Das sind Stolpersteine, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Er setzt sie vor die letzte frei gewählte Wohnung von Menschen, die die Nationalsozialisten verfolgt haben. In Berlin verlegte er die ersten 1996 in Kreuzberg, damals noch ohne Genehmigung. Inzwischen liegen in ganz Europa weit über hunderttausend.

Man stolpert nicht mit den Füßen, hat ein Schüler einmal gesagt, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen. Und wer den Namen lesen will, muss sich verbeugen. Geh jetzt die Auguststraße weiter nach Osten. Nach ein paar Häusern hörst du vielleicht schon Musik aus einem Garten: Dort wird seit über hundert Jahren getanzt.

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