Monbijoupark: Ein verschwundenes Schloss und James Simon
Why is it significant?
Lass dich auf eine Bank am Wasser fallen und schau über die Spree: Gegenüber schiebt sich die Kuppel des Bode-Museums wie ein Schiffsbug in den Fluss, hinter dir spielen Kinder auf der Wiese. Schwer vorstellbar, dass hier einmal ein Schloss stand.
Key Facts
| Place | Monbijoupark: Ein verschwundenes Schloss und James Simon |
|---|---|
| Address | Oranienburger Straße, 10178 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.52320, 13.39700 |
| Part of Walk | Scheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel |
| Generated | Generated |
Lass dich auf eine Bank am Wasser fallen und schau über die Spree: Gegenüber schiebt sich die Kuppel des Bode-Museums wie ein Schiffsbug in den Fluss, hinter dir spielen Kinder auf der Wiese. Schwer vorstellbar, dass hier einmal ein Schloss stand.
Monbijou, mein Schmuckstück, so hieß das Lustschloss, das Anfang des 18. Jahrhunderts am Spreeufer entstand. Am meisten liebte es Königin Sophie Dorothea, die Mutter Friedrichs des Großen, die hier ihr eigenes kleines Reich hatte, fern vom strengen Hof ihres Mannes, des Soldatenkönigs. Später zog ein Museum der Hohenzollern ein. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Schloss aus, um 1960 ließ die DDR die Ruine abräumen. Übrig blieb dieser Park.
Schau noch einmal hinüber zum Museum. Ein erstaunlicher Teil der Schätze dort und auf der ganzen Museumsinsel stammt von jüdischen Berliner Sammlern und Stiftern. Der großzügigste war James Simon, ein Baumwollkaufmann, der 1904 seine Sammlung von Renaissancekunst dem neuen Museum gegenüber schenkte. Er finanzierte auch die Ausgrabungen in Amarna in Ägypten, bei denen 1912 die Büste der Nofretete gefunden wurde, und 1920 schenkte er sie dem preußischen Staat. Und er gab einen großen Teil seines Vermögens für soziale Zwecke aus, für Kinder, Kranke und arme Familien, ohne viel Aufhebens davon zu machen.
Simon starb 1932, kurz bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Wenige Jahre später wurde in den Museen verschwiegen, wem sie so viel verdankten, weil der Stifter Jude war. Erst 2019 eröffnete auf der Museumsinsel ein neues Eingangsgebäude, das seinen Namen trägt, die James-Simon-Galerie. Fast neunzig Jahre nach seinem Tod hat sich die Stadt bei ihm angemessen bedankt.
Im Sommer wird hier am Ufer getanzt, im Winter ist es still, und abends spiegeln sich die Lichter der Museumsinsel im Wasser. Über die Monbijoubrücke könntest du jetzt direkt hinüber zur Museumsinsel. Wir aber bleiben auf dieser Seite der Spree. Steh auf und verlass den Park nach Westen, hinüber zur Tucholskystraße. Dort steht ein ernstes Haus aus der Kaiserzeit, in dem einmal die erste Rabbinerin der Welt studierte.