Koppenplatz: Der verlassene Raum
Why is it significant?
Mitten auf dem Rasen des Koppenplatzes steht ein Zimmer ohne Wände. Ein Parkettboden aus Bronze, ein schlichter Tisch, zwei Stühle, alles aus Metall, alles unter freiem Himmel, bei Regen und Schnee. Einer der Stühle steht ordentlich da.
Key Facts
| Place | Koppenplatz: Der verlassene Raum |
|---|---|
| Address | Koppenplatz, 10115 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.52850, 13.39780 |
| Part of Walk | Scheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel |
| Generated | Generated |
Mitten auf dem Rasen des Koppenplatzes steht ein Zimmer ohne Wände. Ein Parkettboden aus Bronze, ein schlichter Tisch, zwei Stühle, alles aus Metall, alles unter freiem Himmel, bei Regen und Schnee. Einer der Stühle steht ordentlich da. Der andere liegt umgestürzt auf dem Boden, als wäre jemand ganz plötzlich aufgesprungen... oder weggerissen worden.
Das Denkmal heißt Der verlassene Raum. Entworfen haben es Karl Biedermann und Eva Butzmann, und die Idee stammt aus einem Wettbewerb, den Ost-Berlin 1988 zum fünfzigsten Jahrestag der Pogromnacht ausschrieb. Dann fiel die Mauer, und aufgestellt wurde es erst 1996. Ein Denkmal aus einem Staat, der verschwand, bevor es fertig war, für Menschen, die verschwanden, ohne dass jemand sie zurückholte.
Geh einmal langsam um den Rand herum. In den bronzenen Rahmen sind Zeilen der Dichterin Nelly Sachs eingelassen. Sie wuchs in einer jüdischen Familie in Berlin auf, entkam 1940 mit ihrer Mutter in letzter Minute nach Schweden und schrieb dort Gedichte über die Ermordeten, über ihre Wohnungen, ihre Körper, ihren Rauch. 1966 erhielt sie den Literaturnobelpreis.
Der Tisch steht nicht zufällig in einer Wohngegend. Aus vielen Häusern der Spandauer Vorstadt wurden Menschen abgeholt, oft am helllichten Tag, unter den Augen der Nachbarn. Der Platz selbst ist übrigens ein alter Ort der Fürsorge: Anfang des 18. Jahrhunderts schenkte der Ratsherr Christian Koppe der Stadt dieses Grundstück als Friedhof für die Armen, und ein Denkmal erinnert bis heute an ihn. Zwischen Armengrab und leerem Zimmer liegen dreihundert Jahre Berliner Nachbarschaft.
Setz dich einen Moment auf eine der Bänke. Du bist heute vom ärmsten Winkel des alten Scheunenviertels über die Rosenstraße, die Werkstatt von Otto Weidt, den Friedhof von Moses Mendelssohn und die goldene Kuppel bis zu diesem leeren Zimmer gegangen. Der umgestürzte Stuhl wird nie wieder aufgestellt. Aber du kannst den nächsten Stolperstein auf deinem Weg lesen, laut, mit Namen. Zur U-Bahn am Rosenthaler Platz sind es nur ein paar Minuten.