Sophienkirche: Barock in der Straße der Toleranz
Why is it significant?
Zwischen hohen Bäumen und verwitterten Grabsteinen steht vor dir ein schlanker Barockturm, der auf eine Kirche zeigt, die sich bescheiden zurücknimmt. Die Sophienkirche versteckt sich im Grünen, man muss sie suchen, und genau das macht sie so schön.
Key Facts
| Place | Sophienkirche: Barock in der Straße der Toleranz |
|---|---|
| Address | Große Hamburger Straße 29, 10115 Berlin, Germany |
| Geo Coordinates | 52.52560, 13.40020 |
| Part of Walk | Scheunenviertel und jüdisches Berlin: Von der Grenadierstraße zur goldenen Kuppel |
| Generated | Generated |
Zwischen hohen Bäumen und verwitterten Grabsteinen steht vor dir ein schlanker Barockturm, der auf eine Kirche zeigt, die sich bescheiden zurücknimmt. Die Sophienkirche versteckt sich im Grünen, man muss sie suchen, und genau das macht sie so schön.
Gestiftet hat sie 1712 Königin Sophie Luise, die dritte Frau des ersten Preußenkönigs Friedrich I., für die Menschen der wachsenden Spandauer Vorstadt. Der Turm kam erst in den 1730er Jahren dazu. Er gilt als der einzige Barockkirchturm Berlins, der bis heute im Original erhalten ist. Bomben, Abrissbagger und sozialistische Stadtplanung, alles ist an ihm vorbeigegangen. Wenn du genau hinschaust, siehst du, wie fein seine Stockwerke nach oben hin schmaler werden.
Auf dem Kirchhof liegen Berühmtheiten, die kaum jemand hier vermutet. Carl Friedrich Zelter, gelernter Maurermeister, Komponist, Leiter der Singakademie und einer der ganz wenigen, mit denen Goethe sich duzte. Der Historiker Leopold von Ranke, der verlangte, man solle Geschichte so schreiben, wie es eigentlich gewesen ist. Und Anna Louisa Karsch, die Karschin, eine Dichterin aus bitterarmen Verhältnissen, die sogar Friedrich der Große empfing und die trotzdem ihr Leben lang um Geld bitten musste. Wer zwischen diesen Gräbern umhergeht, steht mitten in der Berliner Aufklärung, keine fünf Minuten vom Trubel am Hackeschen Markt.
Und jetzt das Besondere: Die Große Hamburger Straße hinter der Kirche nennen viele Berliner die Straße der Toleranz. Auf wenigen hundert Metern lagen hier ein katholisches Krankenhaus, diese evangelische Kirche, der älteste jüdische Friedhof der Stadt und eine jüdische Schule. Das katholische St.-Hedwig-Krankenhaus gibt es übrigens bis heute, ein paar Häuser weiter. Über Generationen lebten Christen und Juden hier Tür an Tür, mit Reibereien, mit Nachbarschaft, mit ganz normalem Alltag. Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 ließ die DDR die Sophienstraße liebevoll restaurieren, als Schaufenster des alten Berlin.
Doch genau diese Straße wurde ab 1942 zu einem Ort, an dem die Toleranz endgültig zerbrach. Geh durch das Tor hinaus auf die Große Hamburger Straße und ein Stück nach Süden. Vor einer Gruppe dunkler Bronzefiguren an einer stillen Wiese bleiben wir stehen.