Poble Espanyol: Ein ganzes Land in einem Dorf

Why is it significant?

Vor dir ragen zwei wuchtige Türme mit Zinnen auf, dazwischen ein Stadttor, das aussieht, als stünde es seit dem Mittelalter in Kastilien. Tut es nicht. Es steht seit 1929 auf dem Montjuïc, und es ist die Nachbildung eines Tores aus der Stadtmauer von Ávila.

Key Facts

PlacePoble Espanyol: Ein ganzes Land in einem Dorf
AddressAvinguda de Francesc Ferrer i Guàrdia 13, 08038 Barcelona, Spain
Geo Coordinates41.36940, 2.14700
Part of WalkMontjuïc in Barcelona: Weltausstellung 1929, Barcelona-Pavillon und Olympia
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Vor dir ragen zwei wuchtige Türme mit Zinnen auf, dazwischen ein Stadttor, das aussieht, als stünde es seit dem Mittelalter in Kastilien. Tut es nicht. Es steht seit 1929 auf dem Montjuïc, und es ist die Nachbildung eines Tores aus der Stadtmauer von Ávila. Dahinter liegt das Poble Espanyol, das Spanische Dorf, ein ganzes Land im Kleinformat.

Die Idee war so einfach wie ehrgeizig: Für die Weltausstellung sollte die Bauweise aller Regionen Spaniens an einem einzigen Ort versammelt werden. Die Architekten Francesc Folguera und Ramon Reventós, derselbe Reventós wie bei den Venezianischen Türmen, reisten dafür mit dem Maler Xavier Nogués und dem Kunstkritiker Miquel Utrillo kreuz und quer durchs Land. Sie fotografierten, zeichneten und vermaßen Häuser, Plätze, Kirchen und Treppen, monatelang, mit staubigen Schuhen und vollen Skizzenbüchern.

Daraus entstand ein Dorf mit weit über hundert Gebäuden, mit Gassen, Treppen, einer Plaza Mayor samt Rathaus und einem andalusischen Viertel mit weißgekalkten Wänden. Häuser aus dem regnerischen Norden stehen nur ein paar Schritte von Fassaden aus dem sonnigen Süden entfernt. Geografisch ist das völliger Unsinn. Und trotzdem fühlt es sich an wie ein echtes Dorf, mit Schatten, Ecken und kleinen Überraschungen hinter jeder Biegung.

Eigentlich sollte das Dorf nach der Ausstellung wieder verschwinden, wie die meisten Pavillons, auch der deutsche, den du gerade gesehen hast. Doch die Leute mochten es zu sehr, und so blieb es stehen. Heute arbeiten hier Kunsthandwerker in kleinen Werkstätten, Glasbläser, Töpfer und Schmuckmacher, und in einem der Häuser hängt sogar eine Sammlung moderner Kunst, die man an diesem Ort kaum erwarten würde.

Und eine Fußnote, die kaum jemand kennt: Miquel Utrillo, einer der vier Väter dieses Dorfes, gab 1891 einem kleinen Jungen in Paris seinen Nachnamen, dem Sohn der Malerin Suzanne Valadon. Dieser Junge wurde später als Maurice Utrillo berühmt, der Maler der Gassen von Montmartre. Zwei Utrillos, zwei Arten, Gassen zu lieben. Geh jetzt zurück auf die Straße und folge den Wegen bergauf nach Osten, zum großen Palast über dem Brunnen.

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