Barcelona-Pavillon: Mies van der Rohe, Lilly Reich und ein deutsches Manifest

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Steig die paar Stufen auf die helle Travertinterrasse und bleib einen Moment stehen. Ein flaches Dach, das zu schweben scheint, Wände aus grünem Marmor und honigfarbenem Onyx, ein stilles Wasserbecken, in dem sich der Himmel spiegelt. Keine Tür, die dich empfängt, kein Eingang im klassischen Sinn.

Key Facts

PlaceBarcelona-Pavillon: Mies van der Rohe, Lilly Reich und ein deutsches Manifest
AddressAvinguda de Francesc Ferrer i Guàrdia 7, 08038 Barcelona, Spain
Geo Coordinates41.37060, 2.15000
Part of WalkMontjuïc in Barcelona: Weltausstellung 1929, Barcelona-Pavillon und Olympia
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Steig die paar Stufen auf die helle Travertinterrasse und bleib einen Moment stehen. Ein flaches Dach, das zu schweben scheint, Wände aus grünem Marmor und honigfarbenem Onyx, ein stilles Wasserbecken, in dem sich der Himmel spiegelt. Keine Tür, die dich empfängt, kein Eingang im klassischen Sinn. Du gehst einfach hinein, und der Raum fließt um dich herum.

Das ist der Deutsche Pavillon der Weltausstellung von 1929, entworfen von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich. Die Weimarer Republik wollte gut zehn Jahre nach dem Krieg ein neues Deutschland zeigen: offen, nüchtern, demokratisch. Also stellte man einfach nichts aus. Der Pavillon selbst war das Exponat, ein Ort zum Durchgehen und Innehalten. Acht schlanke, verchromte Stützen mit kreuzförmigem Querschnitt tragen das Dach, und die Wände tragen gar nichts. Sie stehen nur da und lenken deinen Weg.

Für die feierliche Eröffnung entwarfen Mies und Reich einen Sessel aus gebogenem Stahl mit Lederpolstern, gedacht für das spanische Königspaar. Man erzählt sich, Alfonso XIII. und Königin Victoria Eugenia hätten sich nie hineingesetzt. Der Barcelona-Sessel wurde trotzdem zur Ikone und steht heute in Foyers auf der ganzen Welt. Dass Lilly Reich an diesem Erfolg großen Anteil hatte, hat die Designgeschichte lange übersehen und erst spät gewürdigt.

Und jetzt das Überraschende: Das Original gibt es nicht mehr. Nach dem Ende der Ausstellung wurde der Pavillon 1930 abgebaut, die kostbaren Materialien verschwanden. Jahrzehntelang kannte die Welt dieses Schlüsselwerk der Moderne nur aus Schwarzweißfotos und Plänen, ein berühmtes Gebäude, das niemand mehr betreten konnte. Erst in den Achtzigerjahren bauten katalanische Architekten ihn nach den alten Unterlagen wieder auf. 1986 war er zurück, genau hundert Jahre nach der Geburt von Mies in Aachen.

Geh bis ans hintere Ende, zum kleinen Becken im Hof. Dort steht eine Bronzefrau nach Georg Kolbes Figur Der Morgen und hebt die Arme, als wollte sie das Licht abwehren. Sie ist das einzig Geschwungene in dieser Welt aus Linien. Wenn du wieder hinaustrittst, siehst du gegenüber eine rote Backsteinfabrik mit Türmchen, die alte Textilfabrik Casaramona von Puig i Cadafalch, heute das CaixaForum. Zwei Antworten auf die Frage, was modern ist, nur wenige Schritte voneinander entfernt. Folge nun der Straße bergauf, zu einem Dorf, das es eigentlich gar nicht gibt.

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