Sagrada Família, Passionsfassade: Stein wie Knochen
Why is it significant?
Stell dich auf den Platz und schau zur Kirche hinüber: Schräge Stützen wie ausgebleichte Knochen tragen ein Vordach, darüber kantige, fast kubistische Figuren, und ganz oben ragen Türme wie Bienenwaben in den Himmel.
Key Facts
| Place | Sagrada Família, Passionsfassade: Stein wie Knochen |
|---|---|
| Address | Plaça de la Sagrada Família, Carrer de Sardenya, 08013 Barcelona, Spain |
| Geo Coordinates | 41.40270, 2.17320 |
| Part of Walk | Gaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família |
| Generated | Generated |
Stell dich auf den Platz und schau zur Kirche hinüber: Schräge Stützen wie ausgebleichte Knochen tragen ein Vordach, darüber kantige, fast kubistische Figuren, und ganz oben ragen Türme wie Bienenwaben in den Himmel. Das ist die Passionsfassade der Sagrada Família, die Seite, die vom Leiden und Tod Christi erzählt.
Gaudí hat sie nie gebaut, aber er hat sie gedacht. 1911, als er schwer krank in den Pyrenäen lag, zeichnete er eine Skizze: Diese Fassade sollte hart sein, kahl, schmerzhaft, wie ein Skelett. Er soll gesagt haben, er sei bereit, Gewölbe zu brechen und Säulen zu kappen, nur um zu zeigen, wie grausam dieses Opfer war. Und sie blickt nach Westen, zur untergehenden Sonne, während die Geburtsfassade auf der anderen Seite die Morgensonne empfängt. Geburt im Osten, Tod im Westen.
Die Figuren schuf ab 1987 der Bildhauer Josep Maria Subirachs, und sie waren heftig umstritten. Viele fanden, seine kantigen Gestalten hätten mit Gaudí nichts zu tun. Subirachs blieb trotzdem fast zwei Jahrzehnte. Seine Szenen ordnete er in einem großen S an, das man von unten links nach oben rechts liest, vom Abendmahl bis zur Grablegung. Und, so heißt es, er erlaubte sich einen Gruß an den Meister: Eine der Figuren soll Gaudís Züge tragen.
Such neben dem Eingang ein Zahlenquadrat. Sechzehn Felder, und jede Zeile, jede Spalte, jede Diagonale ergibt die Summe 33, das Alter, in dem Christus starb. Ganz in der Nähe hat Subirachs den Judaskuss gemeißelt, mit einer Schlange hinter dem Verräter... Das Rätsel und der Verrat stehen hier Seite an Seite.
Und noch ein deutscher Moment: Am 7. November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. die Kirche und erhob sie zur Basilika. Die Weihe fand im gerade überdachten Hauptschiff statt, fast 130 Jahre nach der Grundsteinlegung. Geh jetzt an der Kirche entlang nach rechts, bis zur Carrer de Mallorca: Dort entsteht gerade die größte und letzte Fassade.