Illa de la Discòrdia und Casa Batlló: der Drache auf dem Dach
Why is it significant?
Jetzt steh vor dem wohl verrücktesten Haus der Straße: Die Fassade schimmert wie Wasser voller Glasscherben, die Balkone sehen aus wie Masken, die Säulen unten wie Knochen, und oben wölbt sich ein Dach aus schuppigen Ziegeln wie der Rücken eines Drachen.
Key Facts
| Place | Illa de la Discòrdia und Casa Batlló: der Drache auf dem Dach |
|---|---|
| Address | Passeig de Gràcia 43, 08007 Barcelona, Spain |
| Geo Coordinates | 41.39150, 2.16470 |
| Part of Walk | Gaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família |
| Generated | Generated |
Jetzt steh vor dem wohl verrücktesten Haus der Straße: Die Fassade schimmert wie Wasser voller Glasscherben, die Balkone sehen aus wie Masken, die Säulen unten wie Knochen, und oben wölbt sich ein Dach aus schuppigen Ziegeln wie der Rücken eines Drachen. Das ist die Casa Batlló, umgebaut von Antoni Gaudí zwischen 1904 und 1906.
Schau nach links, und du verstehst den Spitznamen dieses Abschnitts. Daneben steht die Casa Amatller mit ihrem treppenförmigen Giebel, gebaut von Josep Puig i Cadafalch für einen Schokoladenfabrikanten, und an der Ecke die Casa Lleó Morera von Lluís Domènech i Montaner. Drei Stars, drei Häuser, ein Block. Die Leute nannten ihn Illa de la Discòrdia: Illa heißt Insel und Häuserblock, und auf Spanisch ist eine manzana zugleich Block und Apfel. Der Zankapfel aus der griechischen Sage lässt grüßen.
Eigentlich sollte das alte Haus hier abgerissen werden. Der Textilunternehmer Josep Batlló gab Gaudí freie Hand, und der überzeugte ihn, es nicht abzureißen, sondern neu zu erfinden: neue Fassade, neues Dachgeschoss, ein Lichthof mit blauen Kacheln, oben dunkel, unten hell, damit das Licht in allen Stockwerken gleich wirkt. Kaum ein rechter Winkel bleibt übrig. Selbst die Türgriffe sind so geformt, dass sie in die Hand passen.
Viele lesen die Fassade als Legende von Sant Jordi, dem Schutzpatron Kataloniens. Das Dach ist der Drache, das Türmchen mit dem Kreuz ist die Lanze, die ihn durchbohrt, die Balkone sind die Schädel seiner Opfer. Gaudí selbst hat das nie so erklärt... aber die Geschichte ist zu schön, um sie nicht zu erzählen. Darum heißt das Haus im Volksmund auch Casa dels Ossos, das Haus der Knochen.
Und wer hat den Streit gewonnen? Die Barcelonesen diskutieren bis heute, und jeder hat seinen Favoriten. Aber schau, wie sich Gaudís Dach zum Giebel des Nachbarn hinüberneigt, als wolle es ihn ein wenig herausfordern. Geh jetzt den Passeig de Gràcia weiter hinauf, bis zur Ecke mit der Carrer de Provença: Dort schwappt ein Haus wie eine Welle aus Stein um die Ecke.