Casa Milà: der Steinbruch, über den die Stadt lachte
Why is it significant?
Bleib an der Ecke stehen und lass den Blick über diese Fassade wandern: kein gerader Strich, keine Kante, nur heller Kalkstein, der wogt wie ein Steilhang am Meer, davor Balkongitter aus Eisen, verknäult wie Seetang. Die Casa Milà, entworfen von Gaudí und gebaut von 1906 bis 1912.
Key Facts
| Place | Casa Milà: der Steinbruch, über den die Stadt lachte |
|---|---|
| Address | Passeig de Gràcia 92, 08008 Barcelona, Spain |
| Geo Coordinates | 41.39540, 2.16180 |
| Part of Walk | Gaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família |
| Generated | Generated |
Bleib an der Ecke stehen und lass den Blick über diese Fassade wandern: kein gerader Strich, keine Kante, nur heller Kalkstein, der wogt wie ein Steilhang am Meer, davor Balkongitter aus Eisen, verknäult wie Seetang. Die Casa Milà, entworfen von Gaudí und gebaut von 1906 bis 1912. Die Barcelonesen nannten sie spöttisch La Pedrera, den Steinbruch, und der Spitzname ist geblieben.
Der Spott war nicht freundlich gemeint. Zeitungen druckten Karikaturen, die das Haus mit Höhlen, Hangars für Luftschiffe oder einer zerlaufenen Torte verglichen. Bauherren waren Pere Milà und seine Frau Roser Segimon, eine der reichsten Witwen der Stadt. Ihr Geld stammte aus dem Vermögen ihres ersten Mannes, der in Amerika reich geworden war.
Technisch war das Haus seiner Zeit weit voraus. Die Fassade trägt sich selbst, im Inneren gibt es kaum tragende Wände, sondern Säulen und Stahlträger, sodass man die Wohnungen frei aufteilen konnte. Rampen sollten Kutschen und Autos bis in den Keller bringen, es gilt als eines der ersten Häuser der Stadt mit Tiefgarage. Und oben auf dem Dach stehen Kamine und Lüftungstürme wie eine Garde verhüllter Krieger mit Helmen.
Ganz oben sollte eine große Statue der Muttergottes thronen. Doch im Sommer 1909, in der sogenannten Tragischen Woche, brannten in Barcelona Kirchen und Klöster, und Pere Milà fürchtete, sein Haus könnte zum Ziel werden. Er lehnte die Figur ab. Gaudí, tief religiös, war verärgert, zog sich vom Bau zurück, und am Ende stritten Architekt und Bauherr sogar um das Honorar.
Lange wurde das Haus verkannt. Es gab Mietwohnungen, Büros und Geschäfte, und in den 1950er-Jahren baute man sogar das Dachgeschoss zu kleinen Wohnungen um. Erst 1984 kam die Anerkennung als UNESCO-Welterbe, und heute gehört der Steinbruch zu den meistbesuchten Gebäuden der Stadt. Geh jetzt den Passeig de Gràcia hinauf bis zur Avinguda Diagonal und biege rechts ab: Wenige Schritte weiter wartet ein Palast, der aussieht wie eine geschrumpfte Kathedrale.