Plaça de Catalunya: das Scharnier zwischen Altstadt und Eixample

Why is it significant?

Stell dich an den Rand dieses riesigen Platzes, zwischen Tauben, Brunnen und Bänken, und schau nach Norden: Dort beginnt unter Platanen eine breite Prachtstraße, der Passeig de Gràcia. Die Plaça de Catalunya ist das Scharnier von Barcelona.

Key Facts

PlacePlaça de Catalunya: das Scharnier zwischen Altstadt und Eixample
AddressPlaça de Catalunya, 08002 Barcelona, Spain
Geo Coordinates41.38700, 2.16900
Audio Duration~3 min
Part of WalkGaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família
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Stell dich an den Rand dieses riesigen Platzes, zwischen Tauben, Brunnen und Bänken, und schau nach Norden: Dort beginnt unter Platanen eine breite Prachtstraße, der Passeig de Gràcia. Die Plaça de Catalunya ist das Scharnier von Barcelona. Hinter dir die verwinkelte Altstadt mit ihren Gassen, vor dir das schnurgerade Raster der Neustadt, durch das du gleich spazieren wirst. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war hier Niemandsland. Barcelona war in seine Stadtmauern eingeschnürt, und davor durfte aus militärischen Gründen kaum etwas gebaut werden. Drinnen lebten die Menschen so dicht wie in kaum einer anderen Stadt Europas, mit Seuchen, Fabriken und Elend in engen Gassen. 1854 begann man endlich, die verhassten Mauern einzureißen. Dann kam Ildefons Cerdà, ein Ingenieur mit einer fast utopischen Idee. 1859 legte er seinen Plan vor: ein gleichmäßiges Raster aus quadratischen Häuserblöcken mit abgeschrägten Ecken, damit Licht, Luft und Verkehr überall gleich verteilt sind. Das ist das Eixample, die Erweiterung. Die abgeschnittenen Ecken, auf Katalanisch xamfrans, wirst du an jeder Kreuzung sehen. Sie machen die Kreuzungen zu kleinen Plätzen. Cerdà wollte die Blöcke eigentlich nur an zwei oder drei Seiten bebauen lassen, mit Gärten im Inneren. Die Grundstücksbesitzer sahen das anders, und fast überall wurde dichtgemacht. Und in diesem neuen Raster wollte das reiche Bürgertum zeigen, was es hatte. Textilfabrikanten, Bankiers, ein Schokoladenhersteller... sie bauten Stadtpaläste und lieferten sich einen Wettbewerb um die spektakulärste Fassade. Das Ergebnis heißt Modernisme, die katalanische Spielart des Jugendstils, aber wilder, farbiger und stolzer, denn es ging auch um eine katalanische Identität. Übrigens hat auch ein Deutscher in Barcelona Architekturgeschichte geschrieben: Ludwig Mies van der Rohe baute für die Weltausstellung 1929 auf dem Montjuïc den deutschen Pavillon, kühl, flach, aus Glas und Marmor... das genaue Gegenteil von allem, was du heute sehen wirst. Der Platz, auf dem du stehst, bekam für dieselbe Ausstellung seine heutige Gestalt. Geh jetzt ein Stück nach Osten, durch die Carrer de Casp: Dort versteckt sich der bravste Gaudí der Stadt.

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