Palau del Baró de Quadras: der Palast mit zwei Gesichtern
Why is it significant?
Schau dir diese schmale Fassade an: Über die ganze Breite spannt sich ein steinerner Erker, überzogen mit Fabelwesen, Blattwerk, Wappen und Ritterfiguren, als hätte man eine gotische Kathedrale geschrumpft und an eine Großstadtstraße gestellt.
Key Facts
| Place | Palau del Baró de Quadras: der Palast mit zwei Gesichtern |
|---|---|
| Address | Avinguda Diagonal 373, 08008 Barcelona, Spain |
| Geo Coordinates | 41.39670, 2.16140 |
| Part of Walk | Gaudí und der Modernisme in Barcelona: vom Passeig de Gràcia zur Sagrada Família |
| Generated | Generated |
Schau dir diese schmale Fassade an: Über die ganze Breite spannt sich ein steinerner Erker, überzogen mit Fabelwesen, Blattwerk, Wappen und Ritterfiguren, als hätte man eine gotische Kathedrale geschrumpft und an eine Großstadtstraße gestellt. Das ist der Palau del Baró de Quadras, umgebaut zwischen 1904 und 1906 von Josep Puig i Cadafalch.
Puig i Cadafalch war der Architekt der Casa Amatller, die du gerade neben der Casa Batlló gesehen hast, und er war mehr als nur Baumeister. Er war Kunsthistoriker, Archäologe und Politiker. Von 1917 bis 1923 stand er an der Spitze der Mancomunitat de Catalunya, einer gemeinsamen Verwaltung der vier katalanischen Provinzen, die Schulen, Bibliotheken, Straßen und Telefonleitungen baute. Ein Architekt, der tagsüber Paläste entwarf und abends Politik machte: Im Barcelona jener Jahre war das kein Widerspruch, denn Bauen war auch ein Bekenntnis.
Für ihn war die Gotik das goldene Zeitalter Kataloniens, als Barcelona das Mittelmeer beherrschte. Deshalb lässt er hier mittelalterliche Formen wieder aufleben, aber mit dem Witz und der Detailfreude des Modernisme. Nimm dir Zeit für die Figuren: Jede scheint eine eigene Geschichte zu erzählen, und kaum ein Besucher, der vorbeihastet, bemerkt sie.
Jetzt das Überraschende. Wenn du um den Block herum auf die Rückseite in der Carrer del Rosselló gehst, erkennst du das Haus kaum wieder: Dort zeigt es ein bürgerliches, fast verspieltes Gesicht mit Erkern und Kacheln. Vorne der Palast für den Baron, hinten ein Gesicht, das zu einem gewöhnlichen bürgerlichen Wohnhaus passen würde. Ein Gebäude, zwei Rollen, je nachdem, wer hinschaut.
Der Bauherr, Manuel Quadras, war ein Adeliger und Unternehmer, und der Palast blieb nicht lange in der Familie. Im 20. Jahrhundert diente er verschiedenen Institutionen, lange auch als Museum, und heute nutzen ihn kulturelle Einrichtungen. Folge nun der Avinguda Diagonal weiter nach Osten: Nach ein paar Minuten tauchen Türme mit spitzen Hauben auf, wie aus einem Märchen.