Westerpark & Westergasfabriek: Paläste für das Gas
Why is it significant?
Du stehst am Rand eines Parks, aber schau dir die Gebäude zwischen den Bäumen genauer an: lange Hallen aus rotem Backstein, verzierte Giebel, hohe Rundbogenfenster, fast wie Rathäuser oder kleine Schlösser. Gebaut wurden sie für etwas viel Prosaischeres... für Gas.
Key Facts
| Place | Westerpark & Westergasfabriek: Paläste für das Gas |
|---|---|
| Address | Pazzanistraat 37, 1014 DB Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.38650, 4.87530 |
| Part of Walk | Amsterdam jenseits der Grachten: Westerpark, Het Schip und die Amsterdamer Schule |
| Generated | Generated |
Du stehst am Rand eines Parks, aber schau dir die Gebäude zwischen den Bäumen genauer an: lange Hallen aus rotem Backstein, verzierte Giebel, hohe Rundbogenfenster, fast wie Rathäuser oder kleine Schlösser. Gebaut wurden sie für etwas viel Prosaischeres... für Gas.
In den 1880er Jahren errichtete hier eine englische Firma, die Imperial Continental Gas Association, eine Fabrik, die aus Steinkohle Leuchtgas machte. Der Architekt Isaac Gosschalk kleidete die Anlage in den Stil der niederländischen Neorenaissance, mit Giebeln, Zierbändern und Ornamenten, als ginge es um ein Rathaus. Das war Absicht. Industrie galt als Fortschritt, und Fortschritt sollte gut aussehen. Mit dem Gas von hier brannten bald Laternen in Straßen und Häusern der wachsenden Stadt.
Gut gerochen hat das allerdings nicht. Kohlenstaub, Teer und Schwefel hingen über dem Viertel, und die Arbeiterfamilien in den neuen Straßen ringsum lebten mitten in diesen Schwaden. Der Westerpark, Ende des neunzehnten Jahrhunderts als Grünfläche für die Bewohner angelegt, war ihr Luftloch: ein Stück Rasen zwischen Bahndamm, Kanal und Fabrikschornstein, wo Kinder spielten und Väter am Sonntag ihre Zeitung lasen. Wer es sich leisten konnte, zog weg. Wer bleiben musste, gewöhnte sich an den Geruch und nannte ihn irgendwann einfach Heimat.
Das Ende der Gasfabrik kam mit einer Entdeckung im Norden des Landes. 1959 stieß man bei Groningen auf eines der größten Erdgasfelder Europas, und Kohlegas war plötzlich überflüssig. 1967 stellte die Westergasfabriek die Produktion ein. Zurück blieben leere Hallen und ein Boden, der so stark mit Rückständen der Kohlevergasung belastet war, dass lange niemand wusste, was man damit anfangen sollte.
Die Antwort war mutig: Man riss die Gebäude nicht ab, sondern machte aus dem Gelände zusammen mit dem alten Westerpark einen großen Kulturpark. Heute stecken in den Hallen Kino, Restaurants, Ateliers und Veranstaltungsräume, und auf den Wiesen picknicken an Sommerabenden Tausende. Spaziere jetzt durch den Park nach Westen, an den Backsteinhallen vorbei, bis zu dem riesigen runden Bau am anderen Ende.