Het Schip: Michel de Klerks Arbeiterpalast

Why is it significant?

Schau auf den spitzen Turm vor dir, der wie ein Mast aus dem Dach ragt, auf die gewellten Mauern, die Fenster, die sich um Ecken biegen, und auf die Ziegel, die mal waagerecht, mal senkrecht, mal wie Schuppen gelegt sind.

Key Facts

PlaceHet Schip: Michel de Klerks Arbeiterpalast
AddressOostzaanstraat 45, 1013 WG Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.39050, 4.87370
Part of WalkAmsterdam jenseits der Grachten: Westerpark, Het Schip und die Amsterdamer Schule
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Schau auf den spitzen Turm vor dir, der wie ein Mast aus dem Dach ragt, auf die gewellten Mauern, die Fenster, die sich um Ecken biegen, und auf die Ziegel, die mal waagerecht, mal senkrecht, mal wie Schuppen gelegt sind. Das ist Het Schip, das Schiff... und es ist wohl der berühmteste Sozialwohnungsbau der Welt.

Gebaut wurde es zwischen 1917 und 1920 nach Plänen von Michel de Klerk für die Wohnungsbaugenossenschaft Eigen Haard. Der Block füllt ein ganzes Dreieck zwischen drei Straßen, und weil seine Form an einen Schiffsrumpf erinnert, tauften ihn die Leute im Viertel kurzerhand Het Schip. Darin stecken gut hundert Wohnungen, ein Postamt und, eingebettet in den Block, eine Schule. Ein kleines Dorf in einem einzigen Haus.

De Klerk war damals Anfang dreißig und der Star einer Bewegung, die man bald die Amsterdamer Schule nannte. Seine Überzeugung: Ein Arbeiter soll nicht in einer Kaserne wohnen, sondern in einem Kunstwerk. Also ließ er die Maurer aus gewöhnlichem Backstein Ornamente formen und kümmerte sich um Details bis zu Briefschlitzen, Hausnummern und der Schrift am Postamt. Der Turm hat übrigens keinerlei praktische Funktion. Er ist einfach da, damit das Viertel ein Wahrzeichen hat.

Nicht alle waren begeistert. Kritiker spotteten, De Klerk entwerfe vor allem Fassaden, die Grundrisse dahinter seien ziemlich gewöhnlich, und das Geld wäre in mehr Wohnfläche besser angelegt. Konservativen waren die wilden Formen fast unheimlich. Doch für viele Bewohner, die aus den Elendsquartieren der Altstadt kamen, bedeutete das hier eine eigene Toilette, Wasser aus der Leitung und Sonne in der Wohnung, oft zum ersten Mal im Leben.

De Klerk starb 1923, mit nur neununddreißig Jahren, und mit ihm verlor die Amsterdamer Schule ihren genialsten Kopf. Im ehemaligen Postamt erzählt heute ein Museum von der Bewegung. Und jetzt dreh dich zum kleinen grünen Platz vor dem Turm um, dem Spaarndammerplantsoen. Die Blöcke dort sind De Klerks Anfang... dort hat alles begonnen.

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