Haarlemmerpoort: Das Zolltor, das einem König gehört
Why is it significant?
Vor dir, mitten im Trubel des Haarlemmerplein, steht ein Stadttor, das aussieht, als hätte es sich aus Paris hierher verlaufen: mächtige Säulen, ein dreieckiger Giebel, heller Stein über einem Meer aus Fahrrädern. Das ist die Haarlemmerpoort... und schon ihr Name ist ein kleines Rätsel.
Key Facts
| Place | Haarlemmerpoort: Das Zolltor, das einem König gehört |
|---|---|
| Address | Haarlemmerplein 50, 1013 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.38500, 4.88310 |
| Audio Duration | ~2 min |
| Part of Walk | Amsterdam jenseits der Grachten: Westerpark, Het Schip und die Amsterdamer Schule |
| Generated | Generated |
Vor dir, mitten im Trubel des Haarlemmerplein, steht ein Stadttor, das aussieht, als hätte es sich aus Paris hierher verlaufen: mächtige Säulen, ein dreieckiger Giebel, heller Stein über einem Meer aus Fahrrädern. Das ist die Haarlemmerpoort... und schon ihr Name ist ein kleines Rätsel. Gebaut wurde sie zwischen 1838 und 1840, und zwar nicht, um Feinde abzuwehren. Kanonen hatten Amsterdams Mauern damals längst nicht mehr zu fürchten. Gefürchtet wurden ganz andere Leute: die Steuereinnehmer. An Toren wie diesem kassierte die Stadt Abgaben auf vieles, was hereinkam, auf Getreide, Torf, Fleisch und Bier. Das Tor war also weniger Festung als ein Zollhäuschen im Sonntagsanzug, entworfen im strengen Klassizismus, der damals in halb Europa Mode war. Und dann kam der König. 1840 zog Wilhelm der Zweite durch diesen Bogen in die Stadt, um in Amsterdam als neuer König der Niederlande eingesetzt zu werden... und das Tor bekam ihm zu Ehren den Namen Willemspoort. Offiziell heißt es bis heute so. Nur sagt das kaum jemand. Für die Amsterdamer ist und bleibt es die Haarlemmerpoort, weil hier seit Jahrhunderten der Weg nach Haarlem beginnt. Dieser Weg war schon früh erstaunlich modern. Ab 1631 verband ein schnurgerader Kanal, die Haarlemmertrekvaart, die beiden Städte. Pferde zogen am Ufer die Treckschuten, Passagierboote, die nach festem Fahrplan verkehrten... eine Art Intercity des Goldenen Zeitalters. Und kurz vor diesem Tor endete 1839 die allererste Eisenbahnlinie der Niederlande, von Haarlem kommend. Die Bahn hat den Westen Amsterdams danach so gründlich umgekrempelt wie kaum etwas sonst. Genau darum geht es auf diesem Spaziergang. Hinter dir liegt die Stadt der Kaufleute mit ihren Grachten. Vor dir wuchs um 1900 ein ganz anderes Amsterdam: Gaswerk, Bahndämme, Häfen und Arbeiterviertel, schnell und oft schlecht gebaut... bis eine Handvoll Architekten beschloss, dass auch Arbeiter in Palästen wohnen sollten. Im alten Tor selbst wohnen heute übrigens Menschen. Geh nun nach Westen, den Haarlemmerweg entlang, bis rechts die Backsteinhallen am Rand des Westerparks auftauchen.