Van Gogh Museum: Das Erbe einer Witwe

Why is it significant?

Vor dir stehen zwei Gebäude, die sich kaum unähnlicher sein könnten: ein strenger, heller Kasten mit klaren Linien und daneben ein flacher, geschwungener Flügel aus grauem Stein, verbunden durch eine gläserne Eingangshalle zum Platz hin. Darin hängt die größte Van-Gogh-Sammlung der Welt.

Key Facts

PlaceVan Gogh Museum: Das Erbe einer Witwe
AddressMuseumplein 6, 1071 DJ Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.35840, 4.88110
Part of WalkAmsterdam für Kunstliebhaber: Museumsviertel, Concertgebouw und Vondelpark
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Vor dir stehen zwei Gebäude, die sich kaum unähnlicher sein könnten: ein strenger, heller Kasten mit klaren Linien und daneben ein flacher, geschwungener Flügel aus grauem Stein, verbunden durch eine gläserne Eingangshalle zum Platz hin. Darin hängt die größte Van-Gogh-Sammlung der Welt. Und die verdanken wir nicht Vincent, sondern einer Frau, deren Namen kaum jemand kennt.

Sie hieß Johanna van Gogh-Bonger, kurz Jo. Vincent starb im Juli 1890, sein Bruder Theo, Jos Mann, nur ein halbes Jahr später. Mit achtundzwanzig Jahren war Jo Witwe, hatte einen kleinen Sohn und Hunderte Bilder, die fast niemand wollte. Freunde rieten ihr, den Kram loszuwerden. Sie tat das Gegenteil: Sie zog nach Bussum, führte dort eine Pension, organisierte Ausstellungen, verkaufte klug und sehr dosiert und veröffentlichte 1914 Vincents Briefe an Theo. Ohne ihr Gespür für den richtigen Moment wäre Vincent vielleicht eine Fußnote geblieben.

Im Februar 1890 war Theo und Jo ein Sohn geboren worden, und sie nannten ihn Vincent. Der Onkel malte ihm zur Geburt ein Bild: blühende Mandelzweige vor einem leuchtend blauen Himmel. Es sollte über dem Bett der jungen Eltern hängen. Genau dieses Bild hängt hier. Der kleine Vincent Willem wurde später Ingenieur, brachte die Sammlung in eine Stiftung ein, und der Staat baute das Museum. Heute gehören dazu rund zweihundert Gemälde, etwa fünfhundert Zeichnungen und über siebenhundert Briefe.

Den ersten Bau entwarf Gerrit Rietveld, der Meister des rot-blauen Stuhls. Er starb 1964, bevor gebaut wurde, Kollegen vollendeten seinen Plan, und 1973 öffnete das Museum. 1999 kam der ovale Flügel des japanischen Architekten Kisho Kurokawa dazu, und 2015 die gläserne Halle, durch die du heute hineingehst. Und Vincent selbst? Zu Lebzeiten verkaufte er kaum etwas. Er hätte vermutlich laut gelacht über die Schlangen vor diesen Türen... oder geweint.

Wenn du später hineingehst, such die Sonnenblumen und dann das Mandelblütenbild, und denk an Jo, die einfach nicht aufgegeben hat. Jetzt dreh dich zum großen Rasen um. Geh ein paar Schritte hinaus auf den Museumplein, bis du den Platz in seiner ganzen Weite vor dir hast.

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