Stedelijk Museum: Die Badewanne und Max Beckmanns Exil
Why is it significant?
Betrachte diesen Gegensatz: ein Backsteinbau von 1895 mit Türmchen und Sandsteinschmuck, und direkt daran angedockt ein riesiger, glatter, weißer Körper, der über dem Eingang schwebt. Seit 2012 hat Amsterdam dafür nur ein Wort: die Badewanne.
Key Facts
| Place | Stedelijk Museum: Die Badewanne und Max Beckmanns Exil |
|---|---|
| Address | Museumplein 10, 1071 DJ Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.35790, 4.87990 |
| Part of Walk | Amsterdam für Kunstliebhaber: Museumsviertel, Concertgebouw und Vondelpark |
| Generated | Generated |
Betrachte diesen Gegensatz: ein Backsteinbau von 1895 mit Türmchen und Sandsteinschmuck, und direkt daran angedockt ein riesiger, glatter, weißer Körper, der über dem Eingang schwebt. Seit 2012 hat Amsterdam dafür nur ein Wort: die Badewanne. Das ist das Stedelijk Museum, das städtische Museum für moderne Kunst und Design. Drinnen wechseln sich Malerei, Möbel, Plakate und Design ab.
Groß wurde das Stedelijk nach dem Krieg durch Willem Sandberg, einen Grafiker, der das Haus ab 1945 leitete. Während der Besatzung hatte er Ausweise gefälscht und war an der Planung des Anschlags auf das Amsterdamer Einwohnermeldeamt 1943 beteiligt, mit dem der Widerstand Unterlagen vernichten wollte, die den Besatzern bei der Verfolgung halfen. Danach musste er untertauchen. Als Direktor holte er die Avantgarde ins Haus, und das Stedelijk besitzt heute eine der größten Sammlungen von Kasimir Malewitsch außerhalb Russlands.
Und jetzt eine deutsche Geschichte. Im Juli 1937 eröffneten die Nationalsozialisten in München die Hetzschau Entartete Kunst, und auch Bilder von Max Beckmann wurden dort an den Pranger gestellt. Am Tag nach Hitlers Kunstrede verließ Beckmann mit seiner Frau Quappi Deutschland. Ihr Ziel war Amsterdam, eigentlich nur als Zwischenstation. Doch 1940 marschierte die Wehrmacht ein, und aus der Durchreise wurden zehn Jahre.
Beckmann wohnte am Rokin, mitten in der Stadt, und malte in einem Dachatelier eines ehemaligen Tabaklagers. Isoliert, mit wenig Geld und unter ständiger Angst, schuf er dort einige seiner mächtigsten Werke, darunter mehrere seiner großen Triptychen, voller Masken, Gaukler und Gefangener. Er führte in diesen Jahren Tagebuch, knapp und oft düster, und malte trotzdem fast jeden Tag. Erst 1947 konnte er in die USA ausreisen, wo er 1950 in New York starb. Bilder aus seinen Amsterdamer Jahren hängen heute in Museen auf beiden Seiten des Atlantiks.
Wenn du also an der Badewanne vorbeigehst, denk an den Mann im Dachatelier, der hier im Exil gegen die Dunkelheit anmalte. Geh nun die Van Baerlestraat nach Norden, über den Vondelpark hinweg, und bieg dann in die Roemer Visscherstraat ein, die ruhig parallel zum Park verläuft.