Concertgebouw: Der Saal, der fast versank

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Stell dich vor die Fassade und lass den Blick nach oben wandern: roter Backstein, heller Stein, Säulen, ein großer Giebel und ganz oben die goldene Lyra. Das ist das Concertgebouw, eröffnet am 11. April 1888.

Key Facts

PlaceConcertgebouw: Der Saal, der fast versank
AddressConcertgebouwplein 10, 1071 LN Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.35620, 4.87900
Part of WalkAmsterdam für Kunstliebhaber: Museumsviertel, Concertgebouw und Vondelpark
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Stell dich vor die Fassade und lass den Blick nach oben wandern: roter Backstein, heller Stein, Säulen, ein großer Giebel und ganz oben die goldene Lyra. Das ist das Concertgebouw, eröffnet am 11. April 1888. Damals stand es fast allein auf feuchtem Wiesenland vor der Stadt, und die Amsterdamer fragten sich, wer denn so weit hinaus zu einem Konzert fahren sollte.

Der Architekt hieß Adolf Leonard van Gendt, und du wirst ihm auf diesem Spaziergang noch einmal begegnen. Weil der Boden hier aus Torf und Schlick besteht, ruht das Gebäude auf über zweitausend Holzpfählen. Ein Jahrhundert später kam der Schock: Die Pfähle faulten, der Saal sackte langsam ab. In den Achtzigerjahren wurde das Fundament durch Betonpfähle ersetzt, während das Haus stehen blieb, und der Architekt Pi de Bruijn setzte einen gläsernen Anbau an die Seite.

Und dann der große Saal. Er gilt als einer der drei, vier besten Konzertsäle der Welt, neben Wien und Boston. Das Kuriose: Van Gendt war kein Akustiker, eine Wissenschaft davon gab es kaum. Die Form, die Höhe, das Holz und der lange Nachhall ergaben zusammen einen Klang, den Musiker seither als warm und tragend beschreiben. Berühmt ist auch die lange Treppe, über die Dirigenten und Solisten von oben auf die Bühne hinabsteigen, vor den Augen des ganzen Saals. Ein Glückstreffer, sagen manche. Genie, sagen andere.

Gustav Mahler kam mehrmals hierher und dirigierte seine eigenen Sinfonien, eingeladen vom Chefdirigenten Willem Mengelberg, der ihn verehrte. Doch dieser Saal hat auch dunkle Jahre erlebt. Während der deutschen Besatzung mussten die jüdischen Musiker das Orchester verlassen, und der Name Mendelssohn verschwand von der Wand im großen Saal. Mengelberg arbeitete mit den Besatzern zusammen und durfte nach dem Krieg in den Niederlanden nicht mehr dirigieren.

Heute steht der Name Mendelssohn wieder dort oben, zwischen Bach, Beethoven und Brahms. Wenn du Glück hast, hörst du durch eine offene Tür eine Probe. Geh nun ein kleines Stück zurück, die Van Baerlestraat entlang nach Norden, zu dem Museum mit dem weißen Anbau, den die Amsterdamer liebevoll Badewanne nennen.

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