Montelbaanstoren: Abschied der Seeleute

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Vom Ufer der Oudeschans aus siehst du ihn am schönsten: den Montelbaanstoren, unten massiver Backstein, oben ein zierlicher, achteckiger Aufsatz mit Uhr und spitzer Haube. Der untere Teil entstand 1516 als Wehrturm, zusammen mit dieser Gracht, die damals als Verteidigungsgraben ausgehoben wurde.

Key Facts

PlaceMontelbaanstoren: Abschied der Seeleute
AddressOudeschans 2, 1011 KX Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.37210, 4.90580
Part of WalkAmsterdam und die VOC: Hafen, Handel und die Schattenseite des Goldenen Zeitalters
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Vom Ufer der Oudeschans aus siehst du ihn am schönsten: den Montelbaanstoren, unten massiver Backstein, oben ein zierlicher, achteckiger Aufsatz mit Uhr und spitzer Haube. Der untere Teil entstand 1516 als Wehrturm, zusammen mit dieser Gracht, die damals als Verteidigungsgraben ausgehoben wurde. Sie sollte die Werften der Lastage schützen, des Schiffbauviertels vor den Mauern. Damals war hier der Rand der Stadt, dahinter kamen nur Wasser und Wind.

1606 setzte Hendrick de Keyser, der große Baumeister der Stadt, den eleganten Oberbau darauf. Wenige Jahre später begann der Turm sich zu neigen, ein Klassiker auf dem weichen Amsterdamer Boden. Die Lösung klingt wie aus einem Kinderbuch: Man band Seile um den Turm, und mit vereinten Kräften, so wird erzählt, zogen die Leute ihn wieder gerade. Er steht bis heute, und Rembrandt hat ihn gezeichnet.

Hier sammelten sich die Seeleute der VOC, um mit kleineren Booten hinaus zu den großen Ostindienfahrern gebracht zu werden, die oft weit draußen vor Texel lagen. Viele von ihnen waren arme junge Männer vom Land, auch aus Westfalen, Hessen oder Holstein. Wer pleite in Amsterdam ankam, landete oft bei einem Zielverkoper, einem Seelenverkäufer. Der gab ihm Bett und Essen bis zur Abfahrt, ließ sich dafür einen Schuldschein auf den künftigen Lohn unterschreiben und verkaufte diesen Schein mit Abschlag weiter.

Mancher Matrose hatte so seinen halben Lohn verloren, bevor er überhaupt an Bord ging. Und im Deutschen lebt das Wort bis heute weiter: Ein Seelenverkäufer ist ein klappriges, gefährliches Schiff, mit dem man lieber nicht in See sticht. Ein kleines Stück VOC-Geschichte steckt also in unserer eigenen Sprache.

Stell dir die Kaimauer voller Seesäcke vor, Mütter, Bräute, Werber, Schreiber mit Listen, und über allem die Uhr dieses Turms. Hier wurde aus manchem Bauernsohn ein Seemann. Heute ist der Montelbaanstoren ein Bürogebäude der Wasserbetriebe, ganz friedlich. Folge der Oudeschans ein kurzes Stück nach Norden bis zur Prins Hendrikkade. Gleich gegenüber, an einem kleinen Platz am Wasser, steht ein breites, schlichtes Lagerhaus aus dem siebzehnten Jahrhundert.

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