Scheepvaarthuis: Ein Palast der Reedereien
Why is it significant?
Bleib an der Spitze dieses Hauses stehen, dort, wo es sich wie der Bug eines Ozeandampfers in die Kreuzung schiebt. Jeder Zentimeter der Fassade ist in Bewegung: Backstein, der sich wellt wie Wasser, Gitter aus Schmiedeeisen, Figuren von Seefahrern und Meeresgöttern.
Key Facts
| Place | Scheepvaarthuis: Ein Palast der Reedereien |
|---|---|
| Address | Prins Hendrikkade 108, 1011 AK Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37430, 4.90420 |
| Part of Walk | Amsterdam und die VOC: Hafen, Handel und die Schattenseite des Goldenen Zeitalters |
| Generated | Generated |
Bleib an der Spitze dieses Hauses stehen, dort, wo es sich wie der Bug eines Ozeandampfers in die Kreuzung schiebt. Jeder Zentimeter der Fassade ist in Bewegung: Backstein, der sich wellt wie Wasser, Gitter aus Schmiedeeisen, Figuren von Seefahrern und Meeresgöttern. Das ist das Scheepvaarthuis, das Schifffahrtshaus, zwischen 1913 und 1916 für sechs große Reedereien gebaut.
Die Architekten Johan van der Mey, Michel de Klerk und Piet Kramer haben hier einen ganz eigenen Stil geboren, die Amsterdamer Schule. Backstein wird bei ihnen zu Knetmasse, Kanten werden zu Wellen, Türen zu kleinen Erzählungen. Innen setzt sich das fort, mit bunten Glasfenstern, Lampen, Geländern und Böden, alles als ein einziges Gesamtkunstwerk gedacht. Selbst Fensterrahmen, Dachrinnen und Türgriffe sind gestaltet, nichts wurde dem Zufall überlassen. Kaum ein Bürogebäude der Welt hat so offen vom Meer geträumt.
Der Ort ist kein Zufall. Hier an der alten Hafenfront sollen 1595 die Schiffe der Ersten Fahrt nach Ostindien losgefahren sein, vier Schiffe unter Cornelis de Houtman. Die Expedition war ein Desaster: Streit an Bord, Skorbut, Gewalt gegen die Menschen auf Java. Von rund zweihundertfünfzig Männern kehrten 1597 nicht einmal neunzig zurück. Und doch brachten sie genug Pfeffer mit, dass sich die Reise rechnete. Amsterdam roch Geld.
Was folgte, war ein Wettrennen. Gleich mehrere kleine Gesellschaften schickten Flotten los und verdarben sich gegenseitig die Preise, bis die Generalstaaten sie 1602 zu einer einzigen Kompanie zusammenzwangen: der VOC. Gut dreihundert Jahre später, als dieses Haus gebaut wurde, liefen von Amsterdam noch immer Linien nach Niederländisch-Indien, dem heutigen Indonesien. Die Figuren an der Fassade feiern diese Verbindung. Was sie verschweigen, erzählt der Rest des Weges.
Heute ist hinter den schweren Türen ein Hotel, doch das Treppenhaus erzählt noch immer vom Meer. Folge jetzt der Geldersekade nach Süden, quer über den Nieuwmarkt mit seinem alten Stadttor, und geh weiter zum Kloveniersburgwal. Dort steht das prächtigste Haus, das sich zwei Waffenhändler je gebaut haben.