Huis de Pinto: Der Palast der portugiesischen Kaufleute
Why is it significant?
Bleib auf der Sint Antoniesbreestraat vor dem hellen, streng gegliederten Haus mit der Nummer 69 stehen: glatte Fassade, flache Pilaster, oben eine Balustrade, als hätte sich ein italienischer Palazzo zwischen die Amsterdamer Backsteingiebel verirrt.
Key Facts
| Place | Huis de Pinto: Der Palast der portugiesischen Kaufleute |
|---|---|
| Address | Sint Antoniesbreestraat 69, 1011 HB Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37010, 4.90090 |
| Audio Duration | ~3 min |
| Part of Walk | Amsterdams Jüdisches Viertel und die Plantage: Synagogen, Widerstand und Erinnerung |
| Generated | Generated |
Bleib auf der Sint Antoniesbreestraat vor dem hellen, streng gegliederten Haus mit der Nummer 69 stehen: glatte Fassade, flache Pilaster, oben eine Balustrade, als hätte sich ein italienischer Palazzo zwischen die Amsterdamer Backsteingiebel verirrt. Das ist das Huis de Pinto, und mit ihm beginnt dein Weg durch das alte jüdische Viertel Amsterdams. Die Familie De Pinto kam nicht freiwillig hierher. Ihre Vorfahren waren portugiesische Juden, die vor der Inquisition fliehen mussten, über Frankreich und Antwerpen, bis sie in Amsterdam landeten, einer Stadt, die sich für Handel mehr interessierte als für Glaubensfragen. 1651 kaufte Isaack de Pinto das Haus, das schon 1605 gebaut worden war. Sein Sohn David ließ es ab 1686 gründlich umbauen und gab ihm diese vornehme Front. Den Entwurf schreibt man Elias Bouman zu... merk dir den Namen, er begegnet dir auf diesem Weg noch einmal. Die De Pintos gehörten zu den reichsten Familien der Stadt, Bankiers und Kaufleute mit Verbindungen bis in die Kolonien. Drinnen flattern an den Decken bis heute gemalte Vögel durch goldene Ranken, ein Luxus, den man von der Straße aus nicht ahnt. Und ein späterer Isaac de Pinto, der in diesem Haus aufwuchs, wurde im 18. Jahrhundert ein Ökonom, über dessen Schriften zu Kredit und Staatsschulden man in ganz Europa stritt. Dass das Haus noch steht, ist fast ein kleines Wunder. Im 20. Jahrhundert sollte eine breite Verkehrsschneise durch das alte Viertel geschlagen werden, und das Huis de Pinto stand im Weg. Anwohner wehrten sich, die Pläne fielen, 1975 wurde das Haus restauriert. Danach war es fast vierzig Jahre lang eine öffentliche Bibliothek, bis 2012. Wer hier Bücher auslieh, las unter den Deckengemälden eines Bankiers aus dem Goldenen Zeitalter. Behalte für den ganzen Spaziergang einen Gedanken im Kopf: Dieses Viertel nannten die Amsterdamer jahrhundertelang einfach die Jodenhoek, die Judenecke. Hier begann jüdisches Leben in einer Freiheit, wie es sie in Europa sonst kaum gab... und hier endete es zwischen 1940 und 1945 fast vollständig. Geh jetzt die Straße hinunter nach Süden, über die Schleusenbrücke, und folge dann der Zwanenburgwal bis an die Amstel.