Nieuwmarkt und die Waag: Vom Stadttor zum Anatomiesaal

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Mitten auf dem Nieuwmarkt steht die Waag, ein gedrungener Bau aus Backstein mit runden Türmen und spitzen Hauben, der aussieht, als hätte jemand eine mittelalterliche Burg auf einen Marktplatz gestellt.

Key Facts

PlaceNieuwmarkt und die Waag: Vom Stadttor zum Anatomiesaal
AddressNieuwmarkt 4, 1012 CR Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.37270, 4.90030
Part of WalkAmsterdams Altstadt: Dam, Oude Kerk und die versteckte Kirche unterm Dach
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Mitten auf dem Nieuwmarkt steht die Waag, ein gedrungener Bau aus Backstein mit runden Türmen und spitzen Hauben, der aussieht, als hätte jemand eine mittelalterliche Burg auf einen Marktplatz gestellt. Sie gilt als ältestes erhaltenes weltliches Gebäude Amsterdams, und rund um sie herum herrscht bis heute Marktbetrieb.

1488 wurde sie als Stadttor gebaut, die Sint Antoniespoort, Teil der Mauer, die Amsterdam damals umschloss. Doch die Stadt wuchs so schnell über ihre Mauern hinaus, dass das Tor bald nutzlos wurde. Man schüttete den Graben zu, und 1617 wurde aus dem Tor eine öffentliche Waage: Hier wog man Waren, Anker und Kanonen, und in den Räumen darüber zogen die Gilden der Stadt ein.

Eine von ihnen war die Gilde der Chirurgen. Ab 1691 sezierten sie oben in einem der Türme, im Theatrum Anatomicum, vor Publikum die Leichen hingerichteter Verbrecher. Rembrandts berühmte Anatomie des Dr. Tulp von 1632 malte er zwar für diese Gilde, aber noch bevor sie hierher zog, und das Bild hängt heute im Mauritshuis in Den Haag. Übrigens öffnete 1932 ausgerechnet hier, in der Waag, das Jüdische Historische Museum zum ersten Mal seine Türen.

Der Nieuwmarkt hat auch wilde Tage erlebt. Im März 1975 sollten für den Bau der U-Bahn ganze Häuserzeilen in der Nachbarschaft abgerissen werden. Anwohner und Hausbesetzer verbarrikadierten sich, die Polizei räumte mit Gewalt, und die Bilder der Nieuwmarktrellen gingen durchs ganze Land. Die U-Bahn wurde gebaut, die geplante breite Schnellstraße durch das Viertel aber nicht, und Amsterdam begann, seine alten Viertel zu erneuern statt abzureißen.

Hier endet dein Weg durch die Altstadt, vom Bahnhof über den Dam und die stolzen und die versteckten Kirchen bis zu diesem alten Tor. Setz dich an den Rand des Platzes, schau zu, wie das Licht über die Türme der Waag wandert, und denk daran: Fast alles, was du heute gesehen hast, steht auf Holzpfählen im weichen Moor... und hält trotzdem seit Jahrhunderten.

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