West-Indisch Pakhuis: Das Lagerhaus der WIC
Why is it significant?
An dieser Ecke, wo die Prins Hendrikkade ans Wasser stößt, steht ein breites, nüchternes Lagerhaus mit vielen kleinen Fenstern und Ladeluken. Kein Schmuck, keine Meeresgötter, keine Figuren. Es ist das West-Indisch Pakhuis, das Lagerhaus der Westindischen Compagnie, gebaut 1642.
Key Facts
| Place | West-Indisch Pakhuis: Das Lagerhaus der WIC |
|---|---|
| Address | 's-Gravenhekje 1, 1011 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37230, 4.90820 |
| Part of Walk | Amsterdam und die VOC: Hafen, Handel und die Schattenseite des Goldenen Zeitalters |
| Generated | Generated |
An dieser Ecke, wo die Prins Hendrikkade ans Wasser stößt, steht ein breites, nüchternes Lagerhaus mit vielen kleinen Fenstern und Ladeluken. Kein Schmuck, keine Meeresgötter, keine Figuren. Es ist das West-Indisch Pakhuis, das Lagerhaus der Westindischen Compagnie, gebaut 1642. Und an dieser Stelle wird unser Spaziergang ernst.
Die Westindische Compagnie, die WIC, wurde 1621 gegründet, als Gegenstück zur VOC für den Atlantik: Westafrika, die Karibik, Nord- und Südamerika. Sie handelte mit Gold, Zucker und Tabak, und sie handelte mit Menschen. 1637 eroberte sie die Festung Elmina an der afrikanischen Goldküste, von der aus versklavte Afrikaner verschifft wurden. Schätzungen zufolge wurden auf niederländischen Schiffen über eine halbe Million Menschen über den Atlantik verschleppt, viele starben schon unterwegs.
Auch Amsterdam selbst war beteiligt, nicht nur seine Kaufleute. Ab 1683 gehörte der Stadt ein Drittel der Kolonie Suriname, gemeinsam mit der WIC und einer Adelsfamilie. Auf den Plantagen dort schufteten Versklavte für Zucker, Kaffee und Kakao, die in Lagerhäusern wie diesem landeten und in Amsterdamer Raffinerien verarbeitet wurden. Und noch eine Verbindung: Auch Nieuw Amsterdam auf Manhattan war eine Kolonie der WIC, ihr letzter Direktor dort hieß Peter Stuyvesant. 1664 musste er die Kolonie kampflos an die Engländer übergeben, und aus Nieuw Amsterdam wurde New York.
Die Niederlande schafften die Sklaverei erst am 1. Juli 1863 ab. In Suriname mussten die Befreiten danach noch zehn Jahre unter staatlicher Aufsicht weiterarbeiten. Entschädigt wurden die Besitzer, nicht die Versklavten. Der 1. Juli wird heute als Keti Koti gefeiert, das heißt zerbrochene Ketten. 2021 entschuldigte sich die Bürgermeisterin von Amsterdam, Ende 2022 der Ministerpräsident, und am 1. Juli 2023 König Willem-Alexander.
Du musst nichts Besonderes tun an diesem Ort. Bleib einfach einen Moment stehen und schau auf die vielen kleinen Fenster. Dann geh weiter nach Osten, am Wasser entlang und über die Brücke, auf das große, helle Gebäude zu, das wie eine Festung im Hafenbecken liegt. Dahinter ragen die Masten eines alten Dreimasters in den Himmel.