Czaar Peterstraat: Ein Zar als Schiffszimmermann
Why is it significant?
Du stehst in einer langen, lebendigen Wohnstraße mit kleinen Läden, Bäumen und Fahrrädern an jedem Geländer. Sie heißt Czaar Peterstraat, Zar-Peter-Straße. Und das ist keine Laune eines Stadtplaners, sondern die Erinnerung an einen der seltsamsten Praktikanten der Geschichte.
Key Facts
| Place | Czaar Peterstraat: Ein Zar als Schiffszimmermann |
|---|---|
| Address | Czaar Peterstraat, 1018 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.36800, 4.92610 |
| Part of Walk | Amsterdam und die VOC: Hafen, Handel und die Schattenseite des Goldenen Zeitalters |
| Generated | Generated |
Du stehst in einer langen, lebendigen Wohnstraße mit kleinen Läden, Bäumen und Fahrrädern an jedem Geländer. Sie heißt Czaar Peterstraat, Zar-Peter-Straße. Und das ist keine Laune eines Stadtplaners, sondern die Erinnerung an einen der seltsamsten Praktikanten der Geschichte.
Im Sommer 1697 reiste der junge russische Zar Peter mit einer großen Gesandtschaft durch Europa, angeblich inkognito, als einfacher Pjotr Michailow. Er wollte nicht nur Könige treffen, er wollte lernen, wie man Schiffe baut. Auf der Werft der VOC hier auf Oostenburg arbeitete er rund vier Monate lang unter dem Schiffbaumeister Gerrit Claesz Pool und half mit, eine Fregatte vom Kiel bis zum Stapellauf zu bauen. Sie bekam den Namen Peter und Paul.
Das mit dem Inkognito klappte allerdings nur mäßig. Ein Mann von über zwei Metern, der Russisch sprach und mit einem Gefolge reiste, fiel auf. Schaulustige drängten sich an den Toren, und der Zar hasste nichts so sehr wie Gaffer. In Zaandam, wo er zuvor ein paar Tage gewohnt hatte, steht sein kleines Holzhaus bis heute. Abends besuchte er Anatomen, Sammler und Handwerker, ließ sich Mikroskope zeigen und kaufte, was er kriegen konnte.
Was er hier lernte, nahm er mit nach Hause. Er gründete eine russische Flotte und baute Sankt Petersburg, mit Kanälen nach Amsterdamer Vorbild. Bis heute stammen viele russische Seefahrtswörter aus dem Niederländischen, etwa das Wort für Matrose. 1716 kam er übrigens noch einmal nach Amsterdam zurück, diesmal ganz offiziell. Die VOC verkaufte ihm also nicht nur Wissen, sie half, eine neue Seemacht zu schaffen.
Und hier endet dein Weg durch das Amsterdam der VOC. Du hast am Schreierstoren begonnen, wo Seemannsfrauen weinten oder vielleicht auch nicht. Du hast die Mörser auf dem Dach der Waffenhändler gesehen, den Hof der Heeren XVII, das Lagerhaus der Sklavenhändler und die Inseln der Werftarbeiter. Das Goldene Zeitalter war golden für manche, und für viele andere war es das nicht. Beides gehört zu dieser Stadt... und beides darf man erzählen.