Spui & Het Lieverdje: Wo Provo begann

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Auf dem kleinen Platz vor dir steht eine unscheinbare Bronzefigur, kaum größer als ein Kind: ein schmaler Straßenjunge, frech und ein bisschen verloren. Das ist Het Lieverdje, das Liebchen... und um diesen kleinen Kerl herum hat Amsterdam in den 1960er Jahren seine Rebellion geprobt.

Key Facts

PlaceSpui & Het Lieverdje: Wo Provo begann
AddressSpui, 1012 Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.36880, 4.88900
Part of WalkAmsterdams verborgene Winkel: Begijnhof, Spui und Blumenmarkt
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Auf dem kleinen Platz vor dir steht eine unscheinbare Bronzefigur, kaum größer als ein Kind: ein schmaler Straßenjunge, frech und ein bisschen verloren. Das ist Het Lieverdje, das Liebchen... und um diesen kleinen Kerl herum hat Amsterdam in den 1960er Jahren seine Rebellion geprobt.

Die Figur des Bildhauers Carel Kneulman kam 1960 hierher, als Geschenk einer Tabakfirma. Genau das brachte einen exzentrischen ehemaligen Fensterputzer namens Robert Jasper Grootveld auf eine Idee. Er erklärte das Lieverdje zum Sinnbild des nikotinsüchtigen Konsumenten von morgen, und Mitte der 1960er Jahre veranstaltete er hier samstags um Mitternacht seine Happenings: Er tanzte in Fantasiekostümen um die Figur, beschwor Rauch und Werbung und zog immer mehr Publikum an... und immer mehr Polizei.

Aus diesen Spektakeln wurde 1965 eine Bewegung: Provo, von provozieren. Junge Anarchisten mit Witz statt Gewalt, die die Obrigkeit mit absurden Aktionen vorführten. Ihr berühmtester Einfall war der Weiße Fahrradplan: Fahrräder weiß anstreichen und unverschlossen in der Stadt verteilen, für alle, gegen das Auto. Die Polizei beschlagnahmte die Räder... aber die Idee steckt in jedem Leihradsystem, das heute durch die Städte der Welt rollt.

Für einen Skandal sorgten die Provos 1966 bei der Hochzeit von Prinzessin Beatrix mit dem Deutschen Claus von Amsberg, als Rauchbomben auf den Hochzeitszug flogen. Claus hatte als junger Mann in der Wehrmacht gedient, und für viele Amsterdamer war die Wunde der Besatzung noch frisch. Ironie der Geschichte: Prinz Claus wurde später eines der beliebtesten Mitglieder des Königshauses.

Rund um den Spui hat sich der Geist der Bücher und Debatten gehalten, mit Buchhandlungen, der Universität gleich um die Ecke und dem Café Hoppe, das es seit 1670 gibt. Und durch eine unscheinbare Tür am Rand des Platzes geht es in den stillsten Ort der Innenstadt, aber dazu gleich mehr. Geh erst die Kalverstraat ein kurzes Stück nach Norden, zu einem alten Tor, durch das einst Waisenkinder ein und aus gingen.

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