Rasphuispoort: Das Tor des Raspelhauses

Why is it significant?

Vor dir steht, eingeklemmt zwischen Geschäften, ein prächtiges steinernes Tor. Ganz oben thront eine Frauengestalt mit erhobener Geißel, an ihrer Seite gefesselte Gestalten, und darüber steht ein einziges lateinisches Wort: Castigatio, Züchtigung.

Key Facts

PlaceRasphuispoort: Das Tor des Raspelhauses
AddressHeiligeweg 19, 1012 Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.36790, 4.89130
Part of WalkAmsterdams verborgene Winkel: Begijnhof, Spui und Blumenmarkt
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Vor dir steht, eingeklemmt zwischen Geschäften, ein prächtiges steinernes Tor. Ganz oben thront eine Frauengestalt mit erhobener Geißel, an ihrer Seite gefesselte Gestalten, und darüber steht ein einziges lateinisches Wort: Castigatio, Züchtigung. Du stehst vor dem Eingang des alten Amsterdamer Raspelhauses.

Das Rasphuis wurde 1596 in einem ehemaligen Kloster eingerichtet, als eines der ersten Zuchthäuser Europas. Die Idee war damals neu: Bettler, Diebe und Kleinkriminelle sollten nicht nur bestraft, sondern durch Arbeit gebessert werden. Und die Arbeit war hart. Die Männer mussten mit schweren Raspeln Brasilholz zu Pulver zerkleinern, ein tropisches Hartholz, aus dem man roten Farbstoff für Stoffe gewann. Daher der Name: Raspelhaus.

Um das Rasphuis rankt sich eine düstere Legende, die Wasserzelle. Wer sich weigerte zu arbeiten, so wurde erzählt, kam in einen Keller, in den langsam Wasser lief, und musste ununterbrochen pumpen, um nicht zu ertrinken... eine brutale Lektion in Fleiß. Historiker bezweifeln, dass es diese Zelle je gab. Aber die Geschichte wurde Besuchern lange erzählt, und das Zuchthaus war tatsächlich eine Art Attraktion, in die Neugierige kamen, um die Häftlinge bei der Arbeit zu sehen.

Auf dem Tor steht außerdem ein Satz des römischen Philosophen Seneca: Virtutis est domare quae cuncti pavent, es ist Tugend zu bändigen, was alle fürchten. Das Tor stammt von 1603 und wird dem Bildhauer und Baumeister Hendrick de Keyser zugeschrieben. Das Zuchthaus selbst verschwand im neunzehnten Jahrhundert. Nur das Tor blieb, und heute führt es ausgerechnet in ein Einkaufszentrum... aus der Züchtigung von einst ist Shopping geworden.

Auch die Straße, an der du stehst, hat einen frommen Namen: Heiligeweg, Heiliger Weg. Über ihn zogen im Mittelalter Pilger zur Kapelle des Amsterdamer Mirakels, wo 1345 eine geweihte Hostie ein Feuer unversehrt überstanden haben soll. Bis heute erinnert jedes Jahr im März eine nächtliche Schweigeprozession, die Stille Omgang, daran. Geh nun die Kalverstraat ein kleines Stück nach Norden und biege dann links zum Spui ab.

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