Burgerweeshuis: Die Welt der Waisenkinder
Why is it significant?
Von der Kalverstraat aus führt ein alter steinerner Torbogen in einen stillen Hof. Wer hindurchgeht, lässt das Gedränge der Einkaufsstraße hinter sich, und plötzlich hört man die eigenen Schritte. Fast vierhundert Jahre lang war das hier die Welt der Amsterdamer Waisenkinder.
Key Facts
| Place | Burgerweeshuis: Die Welt der Waisenkinder |
|---|---|
| Address | Kalverstraat 92, 1012 PH Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37040, 4.89040 |
| Part of Walk | Amsterdams verborgene Winkel: Begijnhof, Spui und Blumenmarkt |
| Generated | Generated |
Von der Kalverstraat aus führt ein alter steinerner Torbogen in einen stillen Hof. Wer hindurchgeht, lässt das Gedränge der Einkaufsstraße hinter sich, und plötzlich hört man die eigenen Schritte. Fast vierhundert Jahre lang war das hier die Welt der Amsterdamer Waisenkinder.
Nach der Alteratie von 1578 übernahm die Stadt das ehemalige Kloster der heiligen Lucia und richtete darin 1580 das Burgerweeshuis ein, das Waisenhaus für Kinder von Amsterdamer Bürgern. Aufgenommen wurde nicht jedes Kind: Die Eltern mussten das Bürgerrecht der Stadt besessen haben. Für die Kinder der Armen ohne dieses Recht gab es andere, viel kärglichere Anstalten. Selbst im Unglück war Amsterdam eine Gesellschaft mit feinen Unterschieden.
Die Waisen trugen eine auffällige Kleidung in den Farben der Stadt, Rot und Schwarz, die eine Hälfte rot, die andere schwarz, sodass jeder auf der Straße sofort sah, wohin sie gehörten. Sie lernten Lesen, Schreiben und ein Handwerk, und Jungen und Mädchen lebten getrennt, jede Gruppe mit ihrem eigenen Hof. Erst als junge Erwachsene verließen sie das Haus. Über sie wachten Regenten, angesehene Bürger der Stadt, die sich ihrerseits gern in prächtigen Gruppenporträts malen ließen.
1960 zog das Waisenhaus an den Stadtrand, und 1975 kam in die alten Gebäude das Museum zur Geschichte der Stadt, das heutige Amsterdam Museum. Zwischen Museum und Begijnhof verläuft eine überdachte Passage, die Schuttersgalerij, in der große Gruppenporträts der Amsterdamer Bürgerwehren aus dem Goldenen Zeitalter hängen... Verwandte der berühmten Nachtwache, nur ohne Rembrandt. Ob Museum und Galerie gerade geöffnet sind, schau am besten vorher nach.
Achte auch auf die Sint Luciënsteeg an der Seite des Gebäudes: In ihre Mauer sind zahlreiche alte Giebelsteine eingelassen, gerettet von abgerissenen Häusern, mit Schiffen, Tieren, Handwerkern und Heiligen. Jeder davon war einmal eine Adresse. Und dann geh zum Schluss, durch die Galerie oder um den Block herum, zum stillsten Ort der Innenstadt: dem Begijnhof.