Rokin 85: Max Beckmanns Exil unter dem Dach
Why is it significant?
Du stehst am Rokin, einer breiten Verkehrsader mit Straßenbahnen, Geschäften und einem Rest offenen Wassers, auf dem Boote liegen. Schau dir die Fassaden an, die hohen alten Häuser zwischen modernen Bauten.
Key Facts
| Place | Rokin 85: Max Beckmanns Exil unter dem Dach |
|---|---|
| Address | Rokin 85, 1012 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37010, 4.89270 |
| Part of Walk | Amsterdams verborgene Winkel: Begijnhof, Spui und Blumenmarkt |
| Generated | Generated |
Du stehst am Rokin, einer breiten Verkehrsader mit Straßenbahnen, Geschäften und einem Rest offenen Wassers, auf dem Boote liegen. Schau dir die Fassaden an, die hohen alten Häuser zwischen modernen Bauten. In einem davon, im Haus Rokin 85, lebte zehn Jahre lang einer der bedeutendsten deutschen Maler des zwanzigsten Jahrhunderts.
Max Beckmann kam im Juli 1937 nach Amsterdam, und er kam nicht freiwillig. Seine Professur in Frankfurt hatten ihm die Nationalsozialisten schon 1933 genommen. Am 18. Juli 1937 hetzte Hitler in München in einer Rede gegen die moderne Kunst, am Tag darauf öffnete dort die Ausstellung Entartete Kunst, mit Werken auch von Beckmann. Beckmann verstand. Gleich nach der Rede verließ er mit seiner Frau Mathilde, die alle Quappi nannten, Deutschland.
In Amsterdam fanden die beiden eine Wohnung hier am Rokin, in einem ehemaligen Tabakspeicher, und unter dem Dach richtete Beckmann sein Atelier ein. Er hoffte, bald weiterzuziehen, nach Paris oder nach Amerika. Doch dann kam der Krieg, und im Mai 1940 marschierte die Wehrmacht in die Niederlande ein. Die Stadt, die sein Zufluchtsort gewesen war, wurde zur Falle, aus der es kein Entkommen gab. Plötzlich lebte er wieder unter denselben Uniformen, vor denen er geflohen war.
Und trotzdem malte er wie besessen. In diesem Atelier entstanden einige seiner gewaltigsten Werke, darunter große Triptychen wie Die Schauspieler und Karneval, voller Masken, Gaukler und gefesselter Figuren, Bilder einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Daneben führte er Tagebuch, nüchtern und verzweifelt zugleich, und notierte Bombenalarm, Hunger und Einsamkeit ebenso wie jedes fertige Bild.
1947 konnte er endlich in die Vereinigten Staaten ausreisen, wo er zunächst in St. Louis unterrichtete. Drei Jahre später, 1950, starb er in New York. Von außen verrät das Haus am Rokin wenig von dieser Geschichte. Geh nun den Rokin weiter nach Süden, am Wasser entlang, bis zum Muntplein, wo ein schlanker Turm mitten im Verkehr steht.