Van Woustraat: Rijsttafel, Roti und die Küche der Welt
Why is it significant?
Bleib an dieser Kreuzung stehen und schau in die Schaufenster ringsum: Säcke mit Reis, Gläser voller roter Chilipaste, Fladenbrot, Gewürze in allen Farben, Gemüse, das du vielleicht nicht einmal beim Namen kennst.
Key Facts
| Place | Van Woustraat: Rijsttafel, Roti und die Küche der Welt |
|---|---|
| Address | Van Woustraat, 1073 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.35500, 4.90090 |
| Part of Walk | Amsterdam De Pijp: Bier, Hering und Stroopwafel am Albert-Cuyp-Markt |
| Generated | Generated |
Bleib an dieser Kreuzung stehen und schau in die Schaufenster ringsum: Säcke mit Reis, Gläser voller roter Chilipaste, Fladenbrot, Gewürze in allen Farben, Gemüse, das du vielleicht nicht einmal beim Namen kennst. Wer wissen will, was die Niederländer heute wirklich essen, lernt an dieser Ecke mehr als in jedem Kochbuch.
Fangen wir mit dem Reis an. Mehr als drei Jahrhunderte lang beherrschten die Niederlande große Teile des heutigen Indonesien, zuerst durch die Ostindien-Kompanie, später als Kolonialstaat. Aus dieser Zeit stammt die Rijsttafel, die Reistafel: ein Festessen aus Reis und Dutzenden kleiner Schalen, Satay, Rendang, Sambal, Gemüse in Erdnusssoße. Erfunden haben sie die Kolonialherren, die die Vielfalt des Archipels auf einem einzigen Tisch vorführen wollten. In Indonesien selbst isst man normalerweise gar nicht so.
Hinter dem bunten Tisch steckt eine harte Geschichte aus Gewalt und Ausbeutung, und darüber wird in den Niederlanden heute offener gesprochen als früher. Nach dem Krieg und der indonesischen Unabhängigkeit, die die Niederlande erst 1949 anerkannten, kamen Hunderttausende Menschen aus der ehemaligen Kolonie ins Land. Sie brachten ihre Küche mit, und durch ihre kleinen Läden, die Tokos, wurde Sambal zu einer Grundausstattung niederländischer Küchenschränke.
Dann kam Surinam. Als die südamerikanische Kolonie 1975 unabhängig wurde, zogen viele Surinamer nach Amsterdam. Ihre Küche ist selbst schon ein Weltatlas, mit afrikanischen, indischen, javanischen und chinesischen Wurzeln, entstanden aus Sklaverei und Vertragsarbeit. Am bekanntesten ist Roti: ein weiches Fladenbrot mit Hühnchencurry, Kartoffeln, langen Bohnen und einem Ei. Wer einmal ein Roti mit den Händen gegessen hat, versteht, warum es in Amsterdam längst zum Alltag gehört.
Und schließlich kamen in den 1960er- und 70er-Jahren Arbeitsmigranten aus Marokko und der Türkei, angeworben für Fabriken und Häfen. Viele fanden in den günstigen Altbauwohnungen von De Pijp ein erstes Zuhause, und mit ihnen kamen Bäckereien, Metzgereien und Gemüseläden, die dem Viertel bis heute sein Gesicht geben. Folge jetzt der Van Woustraat nach Süden in die Nieuwe Pijp, bis zur Pieter Lodewijk Takstraat. Dort wartet ein Wohnblock, der aussieht, als hätte jemand Backstein wie Ton geknetet.