Asscher-Diamantschleiferei: Der Schlag auf den Cullinan

Why is it significant?

Vor dir steht ein großes Fabrikgebäude mit hohen, breiten Fenstern, solide und fast unscheinbar. Kein Glitzern, kein Rummel. Und doch geschah hier einer der berühmtesten Momente der Schmuckgeschichte: ein einziger Schlag, bei dem ein ganzer Raum den Atem anhielt.

Key Facts

PlaceAsscher-Diamantschleiferei: Der Schlag auf den Cullinan
AddressTolstraat 127, 1074 Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.35300, 4.90570
Part of WalkAmsterdam De Pijp: Bier, Hering und Stroopwafel am Albert-Cuyp-Markt
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Vor dir steht ein großes Fabrikgebäude mit hohen, breiten Fenstern, solide und fast unscheinbar. Kein Glitzern, kein Rummel. Und doch geschah hier einer der berühmtesten Momente der Schmuckgeschichte: ein einziger Schlag, bei dem ein ganzer Raum den Atem anhielt.

Was macht ein Diamant auf einem Genussspaziergang? Er erzählt, wovon dieses Viertel lebte, lange bevor es ein Szeneviertel war. Amsterdam war jahrhundertelang eine Hauptstadt des Diamantschleifens, und viele der Schleifer und Händler waren Juden. Spalten, Sägen, Schleifen, Polieren: Jeder Schritt war ein eigener Beruf, und um 1900 lebten Tausende Familien in der Stadt davon. Die Familie Asscher ließ diese Fabrik 1907 bauen, groß und hell, denn zum Schleifen braucht man vor allem eines: gutes Tageslicht. Daher die riesigen Fenster.

1905 fand man in einer Mine in Südafrika den Cullinan, einen Rohdiamanten von gut 3100 Karat, mehr als sechshundert Gramm schwer. Er wurde dem britischen König Eduard VII. geschenkt, und der beauftragte die Asschers, ihn zu teilen und zu schleifen. Schon der Transport ist eine Legende: Man erzählt, ein Dampfer mit bewaffneten Wachen habe nach England nur eine Attrappe gebracht, während der echte Stein ganz gewöhnlich per Post reiste.

Im Februar 1908 setzte Joseph Asscher hier in Amsterdam die Klinge an den Stein und schlug zu. Beim ersten Versuch zerbrach... die Klinge. Der Diamant blieb ganz. Beim zweiten Schlag spaltete er sich genau so, wie Asscher es berechnet hatte. Die Legende will, dass er danach vor Erleichterung ohnmächtig wurde. Die größten Stücke, Cullinan I und II, funkeln heute im Zepter und in der Staatskrone der britischen Kronjuwelen im Tower von London.

Die Geschichte hat ein dunkles Kapitel. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der jüdischen Diamantarbeiter Amsterdams deportiert und ermordet, und mit ihnen verschwand eine ganze Welt aus Werkstätten, Familien und Fachwissen. Die Firma Asscher gibt es bis heute, aber die Diamantindustrie der Stadt hat sich davon nie wieder erholt. Geh jetzt die wenigen Schritte bis zum Ende der Tolstraat und dann am Ufer nach Norden: Dort fließt die Amstel.

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