Entrepotdok: Die lange Mauer der Speicher
Why is it significant?
Geh ein paar Schritte am Kai entlang und lass den Blick über die Speicher wandern: Giebel an Giebel, dunkler Backstein, Fensterläden in Reihe, ganz oben unter dem Dach die Ladebalken mit ihren Haken. Unten im Wasser schaukeln Hausboote, manche mit Blumentöpfen und Fahrrädern an Deck.
Key Facts
| Place | Entrepotdok: Die lange Mauer der Speicher |
|---|---|
| Address | Entrepotdok, 1018 Amsterdam, Netherlands |
| Geo Coordinates | 52.37000, 4.91250 |
| Audio Duration | ~3 min |
| Part of Walk | Amsterdam am Wasser: Östliche Hafeninseln, NEMO und die Python-Brücke |
| Generated | Generated |
Geh ein paar Schritte am Kai entlang und lass den Blick über die Speicher wandern: Giebel an Giebel, dunkler Backstein, Fensterläden in Reihe, ganz oben unter dem Dach die Ladebalken mit ihren Haken. Unten im Wasser schaukeln Hausboote, manche mit Blumentöpfen und Fahrrädern an Deck. Die ganze Häuserzeile wirkt wie eine einzige, sehr lange Mauer. Entrepot ist ein französisches Wort und bedeutet so viel wie Zwischenlager. Ab 1827 durften Kaufleute hier Waren einlagern, ohne sofort Zoll zu bezahlen: Kaffee, Tabak, Zucker, Gewürze, Wein. Abgerechnet wurde erst, wenn die Ladung in der Stadt verkauft wurde. Reiste sie weiter, nach Deutschland, nach England oder in den Ostseeraum, verdiente Amsterdam trotzdem mit, an Lagergeld, Umschlag und Handel. So wollte die Stadt nach den mageren Jahren der französischen Zeit wieder zur Drehscheibe werden. Mit vierundachtzig Speichern war das Ensemble eines der größten Lagerhausgelände seiner Zeit in Europa. Das Gelände war abgeschlossen und bewacht, und Zöllner kontrollierten jede Kiste, die hinein- oder hinauswollte. Die ältesten Speicher sind sogar älter als das Zolllager selbst, sie stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Stell dir den Lärm vor: Flaschenzüge, Rufe, rollende Fässer, der Geruch von Kaffee und Teer. Im 20. Jahrhundert wurde all das überflüssig. Die Schiffe wurden zu groß für die alten Docks, die Ware reiste mit Bahn und Lastwagen, und in den 1970er-Jahren standen die Speicher leer und verfielen. Dass sie überlebten, war keineswegs selbstverständlich. In den 1980er-Jahren wurden sie zu Wohnungen umgebaut, und weil die tiefen Gebäude innen dunkel waren, mussten die Architekten Licht dorthin holen, wo früher nur Säcke und Kisten im Halbdunkel lagen. Das ist das Leitmotiv dieses Spaziergangs: Amsterdam reißt seinen alten Hafen nicht einfach ab, es erfindet ihn neu. Du wirst gleich sehen, wie aus Kais, Speichern und Gleisanlagen ein Labor der modernen Architektur wurde. Auf der anderen Seite des Wassers beginnt übrigens der Zoo Artis. Geh jetzt nach Norden zum Oosterdok, bis über dem Eingang des IJ-Tunnels ein grüner Schiffsbug in den Himmel ragt.