Hollandsche Schouwburg und Nationales Holocaust-Museum

Why is it significant?

Auf der einen Straßenseite siehst du die Fassade eines Theaters, dahinter einen Hof, über dem kein Dach mehr liegt. Auf der anderen Seite ein langes, nüchternes Schulgebäude.

Key Facts

PlaceHollandsche Schouwburg und Nationales Holocaust-Museum
AddressPlantage Middenlaan 27, 1018 DB Amsterdam, Netherlands
Geo Coordinates52.36670, 4.91110
Part of WalkAmsterdams Jüdisches Viertel und die Plantage: Synagogen, Widerstand und Erinnerung
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Auf der einen Straßenseite siehst du die Fassade eines Theaters, dahinter einen Hof, über dem kein Dach mehr liegt. Auf der anderen Seite ein langes, nüchternes Schulgebäude. Zwischen diesen beiden Häusern, nur durch die Plantage Middenlaan getrennt, spielte sich eine der dunkelsten und zugleich mutigsten Geschichten Amsterdams ab.

Die Hollandsche Schouwburg war seit 1892 ein beliebtes Theater. 1941 machten die Besatzer daraus die Joodsche Schouwburg, in der nur noch jüdische Künstler vor jüdischem Publikum auftreten durften. Ab Juli 1942 wurde sie zur Sammelstelle: Mehr als 46.000 Menschen wurden hier zusammengepfercht, oft tagelang, ehe man sie über die Lager Westerbork und Vught in den Tod schickte. Wo einst Operetten und Lustspiele liefen, lagen nun Menschen dicht an dicht auf dem Boden, mit Koffern, die sie in aller Eile selbst gepackt hatten. Heute ist der Ort eine Gedenkstätte, an einer Wand stehen die Familiennamen der Ermordeten.

Kinder trennte man von ihren Eltern und brachte sie gegenüber in eine Kinderkrippe. Hier beginnt die Geschichte von Walter Süskind, einem deutschen Juden aus Lüdenscheid, der vor den Nazis nach Amsterdam geflohen war und nun im Auftrag des Jüdischen Rats die Schouwburg verwaltete. Mit der Leiterin der Krippe, Henriëtte Pimentel, und Johan van Hulst, dem Direktor der benachbarten Lehrerschule, schmuggelte er Kinder hinaus: in Wäschekörben, in Rucksäcken, durch den Schulgarten. Man erzählt, sie warteten, bis eine Straßenbahn vorbeifuhr und den Wachen für Sekunden die Sicht nahm.

Fast sechshundert Kinder wurden so gerettet. Henriëtte Pimentel wurde in Auschwitz ermordet, Walter Süskind starb 1945, kurz vor Kriegsende. Johan van Hulst überlebte, wurde von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt und starb 2018 mit hundertsieben Jahren.

In dieser Schule, der früheren Hervormde Kweekschool, wurde im März 2024 das Nationale Holocaust-Museum der Niederlande eröffnet. Es zeigt Briefe, Fotos und Alltagsdinge und erzählt, wie die Verfolgung Schritt für Schritt geschah, Verordnung um Verordnung. Geh jetzt weiter nach Osten, die Allee entlang, bis zum Zoo, dessen Tore schon seit fast zweihundert Jahren offen stehen.

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