Jüdisches Historisches Institut und die Große Synagoge
Why is it significant?
Betrachte das helle, dreistöckige Vorkriegsgebäude mit seinen klassischen Pilastern: Es ist das Jüdische Historische Institut, das Żydowski Instytut Historyczny, und es überstand die Zerstörung des Ghettos wie durch ein Wunder.
Key Facts
| Place | Jüdisches Historisches Institut und die Große Synagoge |
|---|---|
| Address | ul. Tłomackie 3/5, 00-090 Warszawa, Poland |
| Geo Coordinates | 52.24430, 21.00280 |
| Part of Walk | Das jüdische Warschau: Vom Muranów-Viertel zum Ghetto-Aufstand |
| Generated | Generated |
Betrachte das helle, dreistöckige Vorkriegsgebäude mit seinen klassischen Pilastern: Es ist das Jüdische Historische Institut, das Żydowski Instytut Historyczny, und es überstand die Zerstörung des Ghettos wie durch ein Wunder. Direkt daneben ragt heute ein bläulich verspiegelter Wolkenkratzer auf, der Błękitny Wieżowiec. Vor dem Krieg bildeten diese beiden Grundstücke das geistige und religiöse Zentrum des assimilierten Warschauer Judentums.
Genau an der Stelle dieses modernen Büroturms stand bis zum Mai 1943 die Große Synagoge an der Tłomackie-Straße, ein prachtvoller Neorenaissance-Bau von Leandro Marconi mit über zweitausend Sitzplätzen. Am 16. Mai 1943 um 20 Uhr 15 drückte der deutsche SS- und Polizeiführer Jürgen Stroop eigenhändig den Zündhebel, um das Gotteshaus mit Tonnen von Dynamit zu sprengen. Er meldete stolz an Heinrich Himmler nach Berlin: Das ehemalige jüdische Wohnviertel Warschau besteht nicht mehr! Die gewaltige Detonation ließ Fenster im Umkreis von Kilometern bersten und markierte das offizielle Ende des Ghettos.
Doch der Geist der ermordeten Gemeinschaft ließ sich nicht in die Luft sprengen. In den Tresoren dieses Institutsgebäudes ruht heute der unschätzbarste Schatz der jüdischen Geschichte: das Untergrundarchiv von Emanuel Ringelblum, genannt Oneg Schabbat, Freude des Schabbats. Der junge Historiker Ringelblum sammelte im Verborgenen mit Dutzenden Gefährten tausende Originalberichte, Tagebücher, Lebensmittelkarten, Gedichte und heimliche Fotografien aus dem Ghettoalltag.
Um das Vermächtnis vor den deutschen Suchkommandos zu retten, versiegelten die Archivare die Dokumente kurz vor ihrer Deportation in verzinkten Blechkisten und zwei großen Milchkannen und vergruben sie tief im Kellerboden. Die beiden riesigen Kannen der Marke Kann, in denen der zweite Teil des Ringelblum-Archivs verborgen lag, sind heute das Herzstück der ständigen Ausstellung des Instituts. Nach dem Krieg wurden diese Verstecke unter den Trümmern wiederentdeckt. Sie gehören heute zum Weltdokumentenerbe der UNESCO und bilden die authentischste Stimme der Opfer des Holocaust überhaupt.
Biege um das Institutsgebäude herum und gehe nach Süden zur breiten Allee Solidarności, überquere den Plac Bankowy und wende dich den historischen Mirów-Hallen zu.