Wien Museum: Die ganze Stadt unter einem Dach
Why is it significant?
Schau dir diesen Bau genau an, denn er ist ein kleines Kuriosum: unten ein strenger, flacher Kasten aus den 1950er Jahren, obendrauf ein neues Geschoss, das wie ein Deckel darüber zu schweben scheint.
Key Facts
| Place | Wien Museum: Die ganze Stadt unter einem Dach |
|---|---|
| Address | Karlsplatz 8, 1040 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19920, 16.37310 |
| Part of Walk | Vom Karlsplatz zu Klimts Kuss: Belvedere, Schwarzenbergplatz und die Kunst der Macht in Wien |
| Generated | Generated |
Schau dir diesen Bau genau an, denn er ist ein kleines Kuriosum: unten ein strenger, flacher Kasten aus den 1950er Jahren, obendrauf ein neues Geschoss, das wie ein Deckel darüber zu schweben scheint. Das ist das Wien Museum, das Gedächtnis der Stadt, und es steht direkt neben der Karlskirche, als wollte es dem Barock ein bisschen Nachkriegsnüchternheit entgegenhalten.
Den ursprünglichen Bau entwarf Oswald Haerdtl, eröffnet wurde er 1959, und er gilt als erster Museumsneubau der Zweiten Republik. Haerdtl war jahrelang Partner von Josef Hoffmann, dem Mitbegründer der Wiener Werkstätte, und das merkt man an der Eleganz der Details. Danach wurde jahrzehntelang gestritten, wie es weitergehen soll: abreißen, an einem anderen Ort neu bauen oder erweitern? Am Ende entschied sich die Stadt fürs Weiterbauen. Nach mehreren Jahren Umbau ging das Museum im Dezember 2023 wieder auf, mit dem neuen Obergeschoss und einer Terrasse, von der aus du über den ganzen Karlsplatz schaust.
Drinnen wartet ganz Wien in einem Haus. Gustav Klimts Bildnis von Emilie Flöge hängt hier, ein schmales, hohes Porträt der Modeschöpferin, die sein Leben lang an seiner Seite blieb. Daneben Werke von Egon Schiele, und dann, ganz unerwartet, ein komplettes Wohnzimmer: Adolf Loos hat es für seine eigene Wohnung entworfen, mit Kaminnische, Holzbalken und Sitzbank, und es wurde Stück für Stück ins Museum übersiedelt.
Und es gibt noch etwas, das kaum ein Reiseführer erwähnt. Auch die Wohnung des Dichters Franz Grillparzer steht hier, mit seinen Möbeln und seinem Schreibtisch, ein Stück Biedermeier, als wäre der Hausherr nur kurz hinausgegangen. Man spaziert also von einer Wohnung in die andere und von einem Jahrhundert ins nächste.
Was ich am meisten an diesem Museum mag: Es erzählt nicht von Kaisern, sondern von der Stadt selbst, von Bürgern, Handwerkern, Künstlern, Belagerungen und Bauplänen. Wenn du später wiederkommst, nimm dir Zeit dafür. Jetzt aber geh nach Osten, die Lothringerstraße entlang, bis sich ein riesiger Platz öffnet und dir ein Springbrunnen das Wasser meterhoch entgegenwirft.