Musikverein: Der Goldene Saal und das Neujahrskonzert
Why is it significant?
Schau dir diese Fassade an, in warmem Rot und Ocker, mit Säulen, Giebeln und Figuren, als hätte jemand einen griechischen Tempel nach Wien bestellt und ihm Farbe gegeben. Genau das war die Idee.
Key Facts
| Place | Musikverein: Der Goldene Saal und das Neujahrskonzert |
|---|---|
| Address | Musikvereinsplatz 1, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20050, 16.37270 |
| Part of Walk | Wien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert |
| Generated | Generated |
Schau dir diese Fassade an, in warmem Rot und Ocker, mit Säulen, Giebeln und Figuren, als hätte jemand einen griechischen Tempel nach Wien bestellt und ihm Farbe gegeben. Genau das war die Idee. Theophil Hansen, ein Däne, der lange in Athen gearbeitet hatte, baute das Haus für die Gesellschaft der Musikfreunde, eröffnet am 6. Jänner 1870.
Drinnen wartet der Große Saal, den alle nur den Goldenen nennen. Er ist erstaunlich einfach gebaut: eine lange, hohe Schuhschachtel, eine flache Kassettendecke, goldene Frauenfiguren, die die Galerie tragen. Und doch zählt er zu den akustisch besten Sälen der Welt. Raumakustik als Wissenschaft gab es damals kaum, und so sagt man gern, Hansen habe mehr Glück als Berechnung gehabt. Holz, Hohlräume, eine Decke, die mitschwingt... der ganze Saal klingt wie ein Instrument.
Von hier geht jedes Jahr am 1. Jänner das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker in die Welt, im Fernsehen übertragen in rund neunzig Länder. Seine Geschichte beginnt allerdings unbequem: Das erste Konzert dieser Art fand am 31. Dezember 1939 statt, im ersten Kriegswinter, unter nationalsozialistischer Herrschaft. Erst die Nachkriegszeit hat daraus das weltoffene Ritual gemacht, das man heute kennt, mit Walzern, Polkas und dem Radetzky-Marsch zum Mitklatschen.
Die Gesellschaft der Musikfreunde, 1812 gegründet, ist nicht nur Hausherrin, sie ist auch ein Gedächtnis. In ihrem Archiv liegt jene Abschrift der Eroica, auf der der Name Bonaparte so heftig wegradiert wurde, dass Löcher im Papier blieben. Johannes Brahms leitete in den 1870er Jahren ihre Konzerte und vermachte ihr seine Bibliothek. Und Gustav Mahler dirigierte hier die Philharmoniker, in jenen Jahren, als Wien ihn feierte und zugleich zermürbte.
Wenn du je die Gelegenheit hast, einen Abend im Goldenen Saal zu erleben, nimm sie, egal ob ganz vorne oder ganz hinten. Jetzt geh am Haus vorbei hinunter zum Karlsplatz und in den Resselpark vor der Technischen Universität. Dort sitzt ein bärtiger Herr aus Marmor, der ein Vierteljahrhundert nur ein paar Schritte von diesem Saal entfernt gewohnt hat.