Brahms-Denkmal: Ein Hamburger wird Wiener
Why is it significant?
Zwischen Bäumen, Bänken und dem Rauschen des Verkehrs am Karlsplatz sitzt ein Mann aus weißem Marmor, mit wallendem Bart, die Hände ruhig, den Blick nach innen gerichtet. Zu seinen Füßen lehnt eine Muse mit einem Saiteninstrument, als müsste sie ihn erst noch inspirieren.
Key Facts
| Place | Brahms-Denkmal: Ein Hamburger wird Wiener |
|---|---|
| Address | Resselpark, Karlsplatz, 1040 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.19960, 16.37180 |
| Part of Walk | Wien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert |
| Generated | Generated |
Zwischen Bäumen, Bänken und dem Rauschen des Verkehrs am Karlsplatz sitzt ein Mann aus weißem Marmor, mit wallendem Bart, die Hände ruhig, den Blick nach innen gerichtet. Zu seinen Füßen lehnt eine Muse mit einem Saiteninstrument, als müsste sie ihn erst noch inspirieren. Das ist Johannes Brahms, und das Denkmal von Rudolf Weyr wurde 1908 enthüllt.
Brahms war eigentlich Hamburger, ein Norddeutscher mit trockenem Humor und wenig Geduld für Schmeichler. Er kam 1862 zum ersten Mal nach Wien, eigentlich nur für einen längeren Besuch. Er blieb, und von 1872 bis zu seinem Tod im Jahr 1897 wohnte er in der Karlsgasse, ganz in der Nähe, in einer bescheidenen Junggesellenwohnung. Das Haus wurde 1907 abgerissen, und so ist dieses Denkmal seine Visitenkarte im alten Viertel geblieben.
Über seine Schroffheit erzählt man sich in Wien bis heute Anekdoten. Die bekannteste geht so: Als er einmal eine Abendgesellschaft verließ, soll er gesagt haben, falls er jemanden hier noch nicht beleidigt habe, bitte er um Entschuldigung. Ob das stimmt? Wahrscheinlich nicht. Aber die Geschichte passt so gut zu ihm, dass man sie seit weit über hundert Jahren weitererzählt.
Hinter der Kauzigkeit steckte ein Perfektionist, der viele Entwürfe vernichtete, bevor sie jemand zu Gesicht bekam. Mit seiner ersten Symphonie rang er rund zwanzig Jahre, weil der Schatten Beethovens so riesig war. Als sie 1876 endlich uraufgeführt wurde, nannte der Dirigent Hans von Bülow sie Beethovens Zehnte, als Kompliment gemeint, und doch zeigt der Spitzname, wie schwer dieser Schatten wog. Brahms liegt heute am Zentralfriedhof, unter den Ehrengräbern, nicht weit von Beethoven und Schubert.
Wirf beim Weitergehen noch einen Blick hinüber zur Karlskirche mit ihren zwei mächtigen Säulen. Dann geh nach Westen, am Karlsplatz entlang Richtung Secession, und weiter zur Linken Wienzeile. Unser nächstes Ziel ist ein Theater, in dem Beethoven nicht nur gespielt, sondern sogar gewohnt hat.