Künstlerhaus: Das Haus, aus dem die Secession auszog
Why is it significant?
Vor dir steht ein Palazzo, der aussieht, als hätte ihn jemand aus Florenz hierhergetragen und neben den Musikverein gestellt: das Künstlerhaus. Gebaut wurde es nicht für einen Fürsten, sondern für eine ganze Zunft, für die Maler, Bildhauer und Architekten Wiens.
Key Facts
| Place | Künstlerhaus: Das Haus, aus dem die Secession auszog |
|---|---|
| Address | Karlsplatz 5, 1010 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.20070, 16.37180 |
| Part of Walk | Vom Karlsplatz zu Klimts Kuss: Belvedere, Schwarzenbergplatz und die Kunst der Macht in Wien |
| Generated | Generated |
Vor dir steht ein Palazzo, der aussieht, als hätte ihn jemand aus Florenz hierhergetragen und neben den Musikverein gestellt: das Künstlerhaus. Gebaut wurde es nicht für einen Fürsten, sondern für eine ganze Zunft, für die Maler, Bildhauer und Architekten Wiens.
Zwischen 1865 und 1868 ließ die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens dieses Haus errichten, mitten im Bauboom der Ringstraßenzeit. Es war ein Ausstellungshaus von Künstlern für Künstler, und wer in Wien malen und gesehen werden wollte, musste hier hinein. Der große Star dieser Welt war Hans Makart, der Malerfürst mit den riesigen, schwelgerischen Historienbildern, dessen Atelier zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählte und dessen Geschmack eine ganze Epoche prägte. 1879, zur Silberhochzeit des Kaiserpaares, inszenierte er einen gewaltigen Festzug über die Ringstraße und ritt selbst im historischen Kostüm mit.
Und dann kam die Revolte. 1897 hatte eine Gruppe jüngerer Künstler genug von den alten Herren, die bestimmten, was ausgestellt wurde und was nicht. Gustav Klimt, Koloman Moser, Joseph Maria Olbrich und ihre Mitstreiter gründeten die Vereinigung bildender Künstler Österreichs, die Secession, und traten aus der Genossenschaft aus. Ihr eigenes Haus mit der goldenen Laubkuppel steht nur ein paar Minuten von hier entfernt... gebaut, wenn man so will, als trotzige Antwort auf das Gebäude, vor dem du gerade stehst.
Das zwanzigste Jahrhundert war nicht freundlich zu diesem Haus. Es war groß, teuer im Unterhalt und galt bald als altmodisch, die Künstlervereinigung kämpfte jahrzehntelang mit dem Geld. Die Rettung kam erst in unserer Zeit: Der Bauunternehmer und Kunstsammler Hans Peter Haselsteiner ließ das Gebäude sanieren, und seit 2020 zeigt die Albertina hier unter dem Namen Albertina Modern Kunst seit 1945. Die Künstlervereinigung hat ihre eigenen Räume im Haus behalten.
Ich finde das sehr wienerisch: Die einstigen Gegner, Akademismus und Avantgarde, sind heute Nachbarn, und das Haus der alten Herren zeigt die Kunst der Jungen. Geh jetzt über den Karlsplatz zurück nach Süden, an der großen Barockkirche vorbei, zu dem flachen, modernen Bau mit dem neuen, scheinbar schwebenden Obergeschoss.