Porzellanmanufaktur Augarten: Das weiße Gold von Wien

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Vor dir liegt ein kleines, weißes Barockschloss am Rand des Parks, ganz unaufgeregt, fast verschlafen. Und doch wird hinter diesen Fenstern seit hundert Jahren etwas gemacht, das einst so kostbar war wie Gold: Porzellan, von Hand gedreht, von Hand bemalt. Die Geschichte beginnt 1718.

Key Facts

PlacePorzellanmanufaktur Augarten: Das weiße Gold von Wien
AddressObere Augartenstraße 1, 1020 Wien, Austria
Geo Coordinates48.22250, 16.37680
Part of WalkFlaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien
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Vor dir liegt ein kleines, weißes Barockschloss am Rand des Parks, ganz unaufgeregt, fast verschlafen. Und doch wird hinter diesen Fenstern seit hundert Jahren etwas gemacht, das einst so kostbar war wie Gold: Porzellan, von Hand gedreht, von Hand bemalt.

Die Geschichte beginnt 1718. Ein Hofbeamter namens Claudius Innocentius du Paquier gründete damals in Wien eine Porzellanmanufaktur, die zweite in Europa nach Meissen. Das Rezept für echtes Hartporzellan war damals ein Staatsgeheimnis, und du Paquier kam nur dahinter, weil er Fachleute aus Meissen abwarb. Industriespionage im Barock, sozusagen.

Reich wurde er davon nicht. 1744 übernahm der Staat unter Maria Theresia das defizitäre Unternehmen, und als kaiserliche Manufaktur trug das Wiener Porzellan von da an den blauen Bindenschild, das Wappen Österreichs, als Marke. Im neunzehnten Jahrhundert konnte die Handarbeit gegen billige Fabrikware nicht mehr mithalten, und 1864 wurde die Manufaktur geschlossen. Erst 1923 wurde sie neu gegründet, hier im Schloss Augarten, und hier ist sie bis heute.

Das Schöne ist, dass die alten Formen nie ganz verschwunden sind. Rokoko-Figuren, Biedermeier-Service, dazu Entwürfe aus der Zeit der Wiener Werkstätte, alles wird weiterhin mit dem Pinsel bemalt, Strich für Strich. Jedes Stück geht durch viele Hände, vom Formen über das Brennen bis zum Malen, und am Boden trägt es noch immer den blauen Bindenschild. Und der Park selbst hat noch mehr zu erzählen: 1775 öffnete Kaiser Joseph der Zweite den Augarten für alle Menschen, und am Tor ließ er eine Inschrift anbringen, die den Garten allen Menschen als Ort der Erholung widmet, von ihrem Schätzer. Ein Kaiser, der sich selbst den Schätzer seiner Untertanen nennt... das war damals beinahe revolutionär.

Im Saalgebäude des Augartens gab übrigens 1782 der junge Mozart Morgenkonzerte, für ein Publikum, das vor dem Frühstück Musik hören wollte. Geh jetzt weiter nach Süden, bis zur Spitze des Parks, wo die beiden Augartenstraßen zusammenlaufen. Dort steht ein moderner Saal, in dem die berühmtesten Knabenstimmen der Welt singen.

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