Flakturm im Augarten: Der Betonriese im Park

Why is it significant?

Zwischen den Kastanienbäumen des Augartens ragt etwas auf, das hier nicht hinzugehören scheint: ein grauer, fensterloser Turm aus Beton, rund, wuchtig, mit vorspringenden Plattformen ganz oben.

Key Facts

PlaceFlakturm im Augarten: Der Betonriese im Park
AddressAugarten, 1020 Wien, Austria
Geo Coordinates48.22580, 16.37330
Part of WalkFlaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien
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Zwischen den Kastanienbäumen des Augartens ragt etwas auf, das hier nicht hinzugehören scheint: ein grauer, fensterloser Turm aus Beton, rund, wuchtig, mit vorspringenden Plattformen ganz oben. Vögel kreisen um ihn, Hunde schnüffeln an seinem Fuß, und die Kinder auf dem Spielplatz schauen kaum noch hin. Das ist ein Flakturm, und er ist das Unheimlichste, was dieser schöne Park zu bieten hat.

Gebaut wurde er 1944, mitten im Zweiten Weltkrieg, als die alliierten Bomber Wien erreichten. Das NS-Regime ließ in der Stadt drei Paare solcher Türme errichten, im Augarten, im Arenbergpark und im Esterhazypark, jeweils einen Gefechtsturm mit Flugabwehrkanonen und einen Leitturm für das Radar. Der Partner dieses Turms steht ein paar hundert Meter weiter im Osten des Parks. Gebaut haben sie zu einem großen Teil Zwangsarbeiter, unter erbärmlichen Bedingungen.

Die Wände sind meterdick, aus Stahlbeton, und im Inneren fanden bei Luftangriffen tausende Menschen Schutz. Nach dem Krieg wollte man die Türme loswerden, aber das erwies sich als fast unmöglich: Eine Sprengung hätte die umliegenden Häuser gefährdet, und das Abtragen Stück für Stück wäre unglaublich teuer gewesen. Also blieben sie stehen, Jahrzehnt um Jahrzehnt, und heute stehen sie unter Denkmalschutz.

Was macht man mit einem Bauwerk, das niemand wollte und niemand wegbekommt? In Wien hat man ganz verschiedene Antworten gefunden. Im Esterhazypark ist ein Flakturm heute ein Aquarium, das Haus des Meeres, mit einer Kletterwand an der Fassade. Die beiden Türme im Augarten dagegen stehen leer, umwachsen von Bäumen, und gerade dadurch erzählen sie ihre Geschichte am deutlichsten: Mahnmale, die keiner bestellt hat.

Mich berührt der Kontrast jedes Mal: ringsum der älteste Barockgarten der Stadt, Bänke, Picknickdecken, Jogger, und mittendrin dieser Koloss aus der dunkelsten Zeit. Geh jetzt die lange Allee nach Südosten, in Richtung Obere Augartenstraße. Dort wartet ein kleines Schloss, in dem seit hundert Jahren weißes Gold von Hand bemalt wird.

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