Karmelitermarkt: Das Herz der Mazzesinsel
Why is it significant?
Riechst du das? Frisches Brot, Kaffee, Kräuter, irgendwo brutzelt etwas in der Pfanne. Du stehst am Karmelitermarkt, zwischen festen Marktständen, Lokalen mit Tischen im Freien und Menschen, die mit Körben und Kinderwagen ihre Runden drehen.
Key Facts
| Place | Karmelitermarkt: Das Herz der Mazzesinsel |
|---|---|
| Address | Karmelitermarkt, 1020 Wien, Austria |
| Geo Coordinates | 48.21750, 16.37700 |
| Part of Walk | Flaktürme, Mazzesinsel und Riesenrad: Die verborgene Leopoldstadt in Wien |
| Generated | Generated |
Riechst du das? Frisches Brot, Kaffee, Kräuter, irgendwo brutzelt etwas in der Pfanne. Du stehst am Karmelitermarkt, zwischen festen Marktständen, Lokalen mit Tischen im Freien und Menschen, die mit Körben und Kinderwagen ihre Runden drehen. Das ist die Leopoldstadt, wie die Wiener sie lieben, und sie hat eine Geschichte, die viel älter und viel schwerer ist, als dieser fröhliche Platz vermuten lässt.
Im siebzehnten Jahrhundert lebten auf dieser Insel zwischen Donau und Donaukanal, damals Unterer Werd genannt, die Juden Wiens in einem eigenen Viertel. 1670 ließ Kaiser Leopold der Erste sie vertreiben. Die Synagoge wurde abgerissen, an ihrer Stelle entstand eine Kirche, die Leopoldskirche, ganz in der Nähe von hier, und der ganze Stadtteil bekam den Namen des Kaisers: Leopoldstadt.
Und doch kehrten die Juden zurück. Im neunzehnten Jahrhundert, vor allem nachdem 1867 die volle Gleichberechtigung kam, zogen tausende Familien aus Galizien, Ungarn und Mähren hierher. In den 1920er Jahren war mehr als ein Drittel der Bewohner der Leopoldstadt jüdisch. Die Wiener nannten das Viertel liebevoll und ein bisschen spöttisch die Mazzesinsel, nach dem ungesäuerten Brot, das zu Pessach gebacken wird.
Heute ist das Viertel wieder bunt, und die Gassen rundherum mit ihren Gründerzeithäusern und kleinen Werkstätten gehören zu den begehrtesten Adressen der Stadt. Am Markt kaufen orthodoxe Familien neben Studenten, Künstlern und alten Leopoldstädtern ein, es gibt koschere Geschäfte, Bauernstände und Lokale aus aller Welt. Am Samstag, wenn die Bauern aus dem Umland kommen, ist hier besonders viel los, und die kleine Kirche der Karmeliter, nach der der Markt benannt ist, steht nur ein paar Schritte entfernt.
Achte beim Weitergehen auf den Gehsteig. Immer wieder findest du kleine Messingplatten im Pflaster, Steine der Erinnerung, mit Namen von Menschen, die hier wohnten und deportiert und ermordet wurden. Sie sind nicht laut, sie liegen einfach da, wo das Leben war. Geh jetzt Richtung Südwesten, durch die Gassen hinunter zum Donaukanal, bis zur Salztorbrücke.