Theater an der Wien: Fidelio und eine Nacht im Eiskeller

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Geh um das Theater herum in die Millöckergasse und such das alte Tor in der Seitenfassade. Über dem Portal steht ein Mann im Federkostüm, umgeben von drei Knaben: Papageno, der Vogelfänger aus der Zauberflöte.

Key Facts

PlaceTheater an der Wien: Fidelio und eine Nacht im Eiskeller
AddressLinke Wienzeile 6, 1060 Wien, Austria
Geo Coordinates48.19980, 16.36390
Part of WalkWien klingt: Auf den Spuren von Mozart, Beethoven, Strauss und Schubert
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Geh um das Theater herum in die Millöckergasse und such das alte Tor in der Seitenfassade. Über dem Portal steht ein Mann im Federkostüm, umgeben von drei Knaben: Papageno, der Vogelfänger aus der Zauberflöte. Dieses sogenannte Papagenotor ist das letzte Stück, das vom ursprünglichen Theater des Jahres 1801 erhalten ist.

Und der Mann im Federkleid ist der Bauherr selbst. Emanuel Schikaneder, Schauspieler, Sänger, Theaterdirektor und Librettist der Zauberflöte, hatte 1791 den Papageno gesungen. Mit dem Schwung dieses Erfolgs eröffnete er 1801 eines der größten und prächtigsten Theater Wiens. Und er holte einen jungen Komponisten ins Haus: Ludwig van Beethoven, der hier 1803 und 1804 sogar wohnte und an einer Oper arbeitete. Im April 1805 erlebte hier auch die Eroica ihre öffentliche Uraufführung.

Die Oper hieß in Beethovens Kopf Leonore, das Theater setzte den Titel Fidelio durch, und ihre Uraufführung am 20. November 1805 war ein Desaster mit Ansage. Eine Woche zuvor hatten Napoleons Truppen Wien besetzt, der Adel war aus der Stadt geflohen, und im Saal saßen viele französische Offiziere. Nach drei Vorstellungen war Schluss. Beethoven arbeitete das Werk um, kürzte, schrieb neue Ouvertüren... erst 1814 wurde es zum Erfolg.

Und dann der 22. Dezember 1808, ein Konzertabend, wie ihn heute niemand mehr wagen würde. Über vier Stunden lang, in einem eiskalten Saal, präsentierte Beethoven nur Neues: die Fünfte und die Sechste Symphonie, das vierte Klavierkonzert, Teile einer Messe und als Finale die Chorfantasie, die prompt auseinanderfiel und neu begonnen werden musste. Das Publikum fror, das Orchester war kaum geprobt... und doch erklangen an diesem Abend zwei der berühmtesten Symphonien der Welt zum ersten Mal.

Später wurde das Haus zur Heimat der Operette: Die Fledermaus von Johann Strauss hatte hier 1874 Premiere, Die lustige Witwe von Franz Lehár 1905. Heute ist es wieder ein Opernhaus. Jetzt überquer die Wienzeile und den Naschmarkt und geh hinüber auf die Wiedner Seite, in die Schleifmühlgasse. Dort, wo heute nichts mehr daran erinnert, stand Schikaneders erstes Theater.

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